Von Wolfgang Hirn
Für Manager scheint es derzeit nur ein gelobtes Land zu geben - China. Wer pilgerte nicht alles in den vergangenen Monaten ins ferne Riesenreich: Der Vorstand von Siemens
reiste nach Shanghai, um zu tagen und zu feiern. BMW-Chef Helmut Panke tauchte gleich mehrmals auf - ob im tiefen Süden auf der Insel Hainan (als Vortragsredner) oder im hohen Norden in Shenyang (als Gastgeber bei der Einweihung des Joint Ventures von BMW
).
Supermacht China: Wie das Riesenreich unsere Wirtschaft bedroht
Ja, und da waren noch die Vorstandschefs Josef Ackermann (Deutsche Bank
), Michael Diekmann (Allianz
), Utz-Hellmuth Felcht (Degussa
), Klaus Zumwinkel (Deutsche Post
) und dutzende einfacher Vorstandsmitglieder, die auf Stippvisiten in China vorbeischauten.
China ist in Managerkreisen "in", und Shanghai - das New York des Ostens - ist "mega-in". Sie speisen dort im noblen Restaurant "M on the Bund", sitzen auf dessen Terrasse und blicken hinüber auf Pudong mit seiner atemberaubenden Postkarten-Skyline.
Die Gedanken schweifen mit: Ach, ist es hier schön. Hier herrscht Aufbruchstimmung, hier wächst alles (die Wirtschaft, die Hochhäuser, na ja, auch die Korruption), hier gibt es keine lästigen Gewerkschaften, hier regiert das Geld, hier im kommunistischen China darf man noch Kapitalist sein.
China - das größte Wirtschaftswunderland der Welt. Seit 25 Jahren erzielt das Land traumhafte Wachstumsraten. Keine Delle, keine Rezession stört den Durchmarsch des Giganten an die Weltspitze. Hier hat man das Luxusproblem der Überhitzung: Wie kühle ich die Wirtschaft von 9 auf 7 Prozent Wachstum ab?
China ist inzwischen die globale Konjunkturlokomotive, die andere dümpelnde Länder - ob Deutschland oder Japan - aus dem Schlamassel zieht. Das Exportgeschäft boomt. Gierig kaufen die Chinesen unsere Waren.
China - der Retter der Weltwirtschaft.
© manager magazin 9/2004
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