Das Konsortium bIT4Health ("better Information Technology for Health"), dem unter anderen IBM
, die Softwareschmiede SAP
und der Chipkartenhersteller Orga angehören, hat zwar 1000 Seiten Konzeptpapiere verfasst, die IBM-Chef Walter Raizner (50) bei der Cebit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt übergab. Für die Umsetzung sind die Konsortialen jedoch nicht zuständig.
Das Ausführungsorgan der Krankenkassen, das Projektbüro Protego.net, hat noch nicht einmal eine Ausschreibung veröffentlicht.
Für SAP liegen konkrete Aufträge aus dem Kartenprojekt daher noch so fern, dass sich die Unternehmensleitung derzeit zu einem weiteren Engagement nicht äußern möchte.
Noch mehr Sorgen als die Technik macht die Organisation der "weichen" Faktoren bei der eGK-Einführung: So müssen zum Beispiel 80 Millionen Passbilder beschafft werden - auch von bettlägerigen Pflegefällen, von verschleierten Musliminnen und im Ausland lebenden Deutschen. Die Porträts müssen dann im nächsten Schritt so digitalisiert und mit persönlichen Daten verknüpft werden, dass die Karte dann tatsächlich das Konterfei des Versicherten trägt. Das Foto soll Missbrauch verhindern.
Auch bei der Finanzierung der Einführungsinvestitionen von 1,6 Milliarden Euro sind noch viele Fragen offen. Zwar haben sich die Dachorganisationen der Krankenkassen, Ärzte, Kliniken und Apotheker Anfang August bereit erklärt, die Mittel selbst aufzubringen. Doch niemand weiß, auf wen welche Kosten zukommen.
So steht noch längst nicht fest, ob eine einzelne Patientenkarte fünf oder zehn Euro kosten soll. "Ohne klare Ausschreibung lässt sich das nicht festlegen", sagt Frank Büttner (35), Leiter der Business Unit Health & ID beim Kartenhersteller Orga.
Immerhin sind sich alle Beteiligten einig, dass das eGK-Projekt - anders als die Lkw-Maut - auf bewährten Technologien fußt. Am 1. Oktober sollen die ersten Aufträge für zwei Testphasen ausgeschrieben werden. Die erste könnte Anfang 2005 mit 10.000 vorläufigen Karten beginnen. Die 100.000 Karten, die im weiteren Verlauf des Jahres für die zweite Phase ausgegeben werden, sollen schon fehlerfrei funktionieren.
Auf diese Weise ließe sich am 1. Januar 2006 der Start des Projekts melden. Allerdings mit nur gut einem Promille der Teilnehmer - weit entfernt vom Postulat des Kanzlers.
© manager magazin 9/2004
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