20.08.2004
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Gesundheitskarte

Bis der Arzt kommt

Von Michael O. R. Kröher

Nichts gelernt aus Toll Collect - das nächste Fiasko um ein Hightech-Großprojekt bahnt sich an. Denn es sieht nicht danach aus, als ob mit der digitalen Gesundheitskarte pünktlich die nächste Reformstufe gezündet werden könnte.

Die Botschaft kam von höchster Stelle - und war unmissverständlich: Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sei ein Vorhaben, "das von Anfang an funktionieren muss", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (60) bei der Eröffnung der Cebit am 17. März in Hannover. Er spielte auf das Debakel mit der Lkw-Maut an.

  Public-Private-Partnership:  Bei der Cebit übergab IBM-Deutschland-Chef Raizner Ministerin Schmidt das Konzept für die Gesundheitskarte
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DDP

Public-Private-Partnership: Bei der Cebit übergab IBM-Deutschland-Chef Raizner Ministerin Schmidt das Konzept für die Gesundheitskarte

Die Mahnung des Kanzlers scheint wirkungslos verklungen zu sein. Heute, nur 16 Monate vor dem gesetzlich festgelegten Start, sieht es nicht danach aus, als ob pünktlich am 1. Januar 2006 die nächste Stufe der Gesundheitsreform gezündet werden könnte. Die Gesundheitskarte soll

  • im maladen deutschen Gesundheitswesen eine Milliarde Euro pro Jahr sparen - durch Umstellung der Arzneimittelverschreibung auf EDV;


  • die Sicherheit der Patienten erhöhen - etwa durch Speicherung von Medikamentenunverträglichkeiten;


  • für mehr Transparenz sorgen, etwa um Doppeluntersuchungen zu vermeiden und Abrechnungsbetrug zu erschweren;


  • schließlich allen Beteiligten bei 106.000 Arztpraxen, 2200 Krankenhäusern, 21.300 Apotheken, 64.500 Zahnärzten die Arbeit erleichtern.
Hehre Ziele - nur mit dem Termin wird es kaum klappen. Willi Berchtold (54), Geschäftsführer des Münchener Smart-Card-Herstellers Giesecke & Devrient, räumt ein, die Einführung der Gesundheitskarte sei "wesentlich komplexer als das Mautprojekt".

Denn anders als beim Debakel um Toll Collect, das nur die Logistikbranche traf, sind diesmal 80 Millionen Bundesbürger betroffen, Kassen- wie Privatpatienten.

Doch derzeit steht noch nicht einmal fest, welche Unternehmen sich um die Hardware kümmern werden, wer welche Software schreiben soll.

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