Hier haust ein Protz. Ein Lebemann. Oder ein gewiefter Unternehmer.
Der wuchtige, frei stehende Gründerzeitbau am Rand des Parkgürtels von Baden-Baden verbindet Schwergewicht mit Aufschneiderei - eine Mixtur, die im Geschäftsleben weiterhilft. M-E-D-I-E-N-C-E-N-T-R-U-M steht, Buchstabe für Buchstabe, auf Leuchttafeln entlang einer weißen Mauer, rechts neben der Freitreppe. Der kühne Titel rührt wohl von dem Spezialstatistiker Media Control her, der hier bis vor kurzem Büros hatte.
Zehn Stufen geht es hinauf, dann steht der Besucher in einem hohen, würfelförmigen Foyer, rundum mit dunkelblauen Glitzerkacheln ausgekleidet. Die Empfangsdame empfängt, als buhle sie um den deutschen Freundlichkeitspreis.
Der Hausherr hat Mühe, mit dem Voraus-Tata mitzuhalten. Gewiss, groß ist er, über einsneunzig. Und eine warme Stimme besitzt er, beim Radio ausgebildet, marlborogegerbt. Den Kopf aber zieht er ein wie ein Underdog, der ständig Schläge befürchtet. Seinem Gesicht - rund, etwas müde Augen - fehlt alles Energische. Das weiße Hemd trägt er ohne Krawatte, dazu Jeans. Kurz: Die Leitung einer mittelgroßen Campinganlage ist ihm durchaus zuzutrauen.
Mitten in der schlimmsten Krise der Urlaubsbranche verdient dieser Mann glänzend. Sein Unternehmen L'tur, mit zuletzt 742.000 Gästen Europas größter Anbieter von Last-Minute-Reisen, prosperiert. Die Bilanz hält Kögel unter Verschluss. Besser so. Sie könnte Neid erregen. Sogar im Jammer-Jahr 2003 schaffte L'tur - wie Insider berichten - eine Umsatzrendite von knapp über 5 Prozent. Davon träumen gewöhnliche Touristikmanager derzeit nur unter Sonnenstich.
Karlheinz Kögel ist der leibgewordene Gegenbeweis: Dass Reise und Rendite doch zusammenpassen - im richtigen Segment. Und dass für eigenwillige Typen immer noch viel Platz ist in der großen Wirtschaft.