Von Jonas Hetzer und Ulric Papendick
Abkassieren und vertuschen - es scheint, als hätte die Managerriege aus der öffentlichen Gehälterdiskussion der vergangenen Monate wenig gelernt. Ein deutlicher Beleg für den Unwillen insbesondere deutscher Vorstände, das Thema Vergütung endlich offensiv anzugehen, ist der Hickhack um den Kodex der Corporate-Governance-Kommission.
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Zwar empfiehlt der Managerknigge den Vorständen, ihre Gehaltsdaten offen zu legen. "Aber zwei Drittel der Dax-Unternehmen haben eine Absprache getroffen, diese Empfehlung zu ignorieren", sagt ein Mitglied der Governance-Kommission.
Die Hinhaltetaktik lässt sich wohl nicht mehr lange durchhalten. Gleich mehrere Teilnehmer der Expertenrunde haben Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (50) vor einigen Wochen in einem Brief aufgefordert, die Offenlegung der Managergehälter per Gesetz zu regeln.
Das Vorbild könnte Großbritannien sein; dort wird über die "pay packages" der Vorstände auf der Hauptversammlung (HV) diskutiert und abgestimmt. Zwar hat eine Ablehnung der Gehaltspakete, die auch Angaben über Abfindungen und Pensionsregelungen enthalten müssen, keine direkten rechtlichen Folgen. "Aber allein die hohe Transparenz sorgt dafür, dass sich die Vorstände genau überlegen, mit welchen Forderungen sie in die Hauptversammlung gehen", sagt der Frankfurter Aktienrechtler und Corporate-Governance-Experte Theodor Baums (siehe: "Von gierigen Vorständen und albernen Vergleichen").
Nicht nur Baums hält das britische Modell für beispielhaft. Vier von fünf deutschen Aktionären sind dafür, die Gehälter der Vorstände in der HV zu diskutieren und zur Abstimmung zu stellen. Lediglich ein Fünftel der Anleger hält den bisherigen deutschen Weg, dass allein der Aufsichtsrat über die Managervergütung entscheidet, für sinnvoll.
Justizministerin Zypries hält den Druck aufrecht. Wenn die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen nicht alle Gehaltsdaten der Vorstände publiziert, will sie per Gesetz handeln. Die Drohung der Ministerin und der steigende öffentliche Druck zeigen erste Wirkung. Der Siemens-Konzern wird künftig die einzelnen Vorstandsbezüge veröffentlichen, kündigte Chefkontrolleur Karl-Hermann Baumann am Dienstag in einem Interview an. Es sei aber noch zu früh, über Details zu reden. Den Sinneswandel in dieser Frage begründete Baumann unter anderem mit den Bestrebungen der Ministerin.