Von Jonas Hetzer und Dietmar Palan
Die Nachzahlungen fallen oft niedriger aus als bei einer regulären Nachversteuerung von Einkünften. Um den Ablass-Brief vom Fiskus zu bekommen, müssen die Delinquenten eine "Strafbefreiende Erklärung" abgeben und die fällige Summe umgehend zahlen. Da die Regelungen im Detail sehr komplex sind, sollten Betroffene aber unbedingt den Rat eines Steuerexperten einholen.
Börsengewinne
Die Steuer-Sünde:
Die Amnestie-Kosten:
Die Nachzahlung an das Finanzamt bemisst sich nach den Gewinnen, nicht wie vielfach vermutet nach dem gesamten Verkaufserlös. Von den 100.000 Euro Gewinn muss der Anleger 60 Prozent (60.000 Euro) versteuern. 25 Prozent dieser Summe - 15.000 Euro - bekommt Hans Eichel.
Auslandskonto
Die Steuer-Sünde:
Ein Unternehmer hat 1988 ein Anleihendepot bei einer schweizerischen Privatbank in Zürich eingerichtet. In dieser Zeit erzielte er Zinseinkünfte in Höhe von 150.000 Euro, die er dem deutschen Fiskus verschwiegen hat.
Die Amnestie-Kosten:
Relevant für die Beichte bei Hans Eichel sind lediglich Kuponzahlungen in Höhe von 100.000 Euro, die der Steuerflüchtling nach 1993 kassiert hat. Steuerschulden aus den Vorjahren sind bereits verjährt. Bei der Berechnung der fälligen Nachzahlung werden 60 Prozent, also 60.000 Euro zugrunde gelegt. Von dieser Summe sind 25 Prozent - 15.000 Euro - an das Finanzamt zu überweisen.
Erbschaft
Die Steuer-Sünde:
Eine Architektin bekam im Oktober 2002 von ihrem verstorbenen Taufpaten ein millionenschweres Vermögen vermacht. Darunter auch Goldbarren im Wert von 100.000 Euro. In ihrer Steuererklärung hat die Frau das geerbte Edelmetall jedoch verschwiegen.
Die Amnestie-Kosten:
Die Steuersünderin kommt äußerst günstig davon. Lediglich 20 Prozent des verheimlichten Nachlasswertes bilden die Bemessungsgrundlage für die Nachzahlung an den Staat. Von diesen 20.000 Euro muss die Erbin 25 Prozent - 5000 Euro - an das Finanzamt überweisen, um nicht mehr wegen Steuerhinterziehung belangt werden zu können.
Literaturhinweis: Michael Sell, Margret Schencking, Ulrich Derlien: "Die Steueramnestie 2004/2005", Schäffer Poeschel 2004.