Von Sören Jensen und Steffen Klusmann
Michael Otto (61) versteht die Welt nicht mehr. Tief gekränkt ist der Chef des weltweit größten Versandhändlers über Presseberichte, die ihn beinahe als Verbrecher erscheinen lassen.
Er sei ins Hamburger US-Generalkonsulat "einbestellt" und dort von Regierungsbeamten "verhört" worden wie ein Krimineller, war zu lesen. In der Tat war Michael Otto am 16. Januar 2004, bepackt mit Aktenordnern, in die US-Vertretung an der Außenalster gefahren und hatte dort drei Stunden lang unangenehme Fragen über sich ergehen lassen müssen.
Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht die Pleite des US-Versandhauses Spiegel, das mehrheitlich der Hamburger Unternehmerfamilie Otto gehört. Warum, wollten die Ermittler wissen, hielt Michael Otto vor der Insolvenz der börsennotierten Gesellschaft 15 Monate lang alle Geschäfts- und Quartalsberichte zurück? Wollte er die Anleger bewusst im Unklaren lassen über die Schieflage der Spiegel Inc.?
Aus Sicht der Amerikaner ein schlimmer Verdacht, der durchaus Anlass zu kritischen Berichten gibt. Vergehen gegen die US-Börsengesetze gelten nicht als Bagatellen.
Trotzdem fühlt sich Michael Otto in der Öffentlichkeit zu Unrecht kriminalisiert. Er selbst habe doch den SEC-Ermittlern angeboten, ihnen im Generalkonsulat, also auf amerikanischem Boden, Rede und Antwort zu stehen.
Das stimmt wohl. Aber nur, weil Otto keine Zeit hatte, selbst über den Atlantik zu fliegen. Also mussten die SEC-Leute die lange Dienstreise auf sich nehmen.
Und nun die schlechte Presse. Otto ist dünnhäutig geworden. Die negativen Schlagzeilen zerren an den Nerven des Konzernchefs.