Von Eva Buchhorn
mm: Was meinen Sie damit?
Stegmann: Die Mobbing-Debatte zum Beispiel ist auf dem besten Weg, zur argumentativen Keule gegen jegliche Form von Kritik oder gar Zurechtweisung durch Vorgesetzte zu verkommen.
mm: Diese Debatte haben Sie mit ausgelöst, als Sie über Ängste in der Arbeitswelt schrieben. Und nun erklären Sie uns, Mobbing-Opfer sollten sich gefälligst zusammenreißen?
Stegmann: Natürlich gibt es krasse, völlig unberechtigte Fälle der Ausgrenzung schwacher Mitarbeiter. Das ist beklagenswert und muss bekämpft werden. Doch nicht selten sind Menschen, die sich als Mobbing-Opfer fühlen, schlichte Nervensägen, die sich nicht anpassen können oder wollen - und dadurch selbst Ängste in ihrem Umfeld auslösen.
mm: Haben Sie ein Beispiel?
Stegmann: Der Jungmanager etwa, der keck und im Vollbewusstsein seiner frisch erworbenen Kenntnisse in die Firma stürmt und seinem Vorgesetzten zu verstehen gibt, er wisse alles besser. Der muss auf Rache nicht lange warten.
mm: Sie sagen, ein gewisses Maß an Angst wirke produktiv. Wo liegt denn die Grenze zur destruktiven, lähmenden Angst?
Panse: Angst wirkt nur dann leistungssteigernd, wenn der betroffene Mitarbeiter der angstauslösenden Situation mit eigenen Mitteln Herr werden kann. Wenn er dagegen befürchten muss, die Kontrolle über seine Lage zu verlieren, kippt die Angst ins Lähmende um.
mm: Geht es etwas konkreter?
Panse: Nehmen wir das Beispiel Zielvereinbarungen. Eine anspruchsvolle Vereinbarung wirkt positiv, wenn der Mitarbeiter weiß, dass er jetzt zwar mächtig ranklotzen muss, diese Ziele aber mit verstärktem Einsatz auch tatsächlich erreichen kann.
Problematisch wird es, wenn die Ziele so aggressiv vereinbart sind, dass sie die Fähigkeiten des Mitarbeiters oder seinen Handlungsspielraum übersteigen. Ein derart überforderter Mitarbeiter wird resignieren, im schlimmsten Fall sogar depressiv werden. Das sind Managementfehler, die Unternehmen Millionen kosten.