Von Eva Buchhorn
In Ihrem ersten Buch "Kostenfaktor Angst" aus dem Jahr 1996 haben Sie mit der These Furore gemacht, die geheimen Sorgen und Ängste der Mitarbeiter kosteten die Wirtschaft jährlich gigantische Summen. Nun ermuntern Sie die Manager, der Belegschaft ruhig einmal Angst einzujagen. Warum diese Kehrtwende?
Mehr Mut zur Macht: "Angst am Arbeitsplatz wirkt nicht in jedem Fall destruktiv und leistungsmindernd", Winfried Panse
mm: Angesichts der Lage am Arbeitsmarkt klingt der Verweis auf die positiven Wirkungen der Angst zynisch.
Stegmann: Es ist ja nun nicht so, dass jedermann in diesem Land von der Kündigung bedroht wäre. Wir rufen auch nicht zu Kündigungen auf. Unsere Botschaft ist eine völlig andere. Aus der Motivationsforschung weiß man, dass Mitarbeiter einen Ansporn brauchen, um ihr Bestes zu geben. Ein starkes Stimulans kann das Wissen sein, sich im Betrieb immer wieder beweisen zu müssen.
mm: Ist es denn nicht eher das Gefühl, einen sicheren Arbeitsplatz zu besitzen, das Menschen engagiert und kreativ arbeiten lässt?
Panse: Das ist gerade das Spannende: Ein zu hohes Sicherheitsgefühl mindert die Produktivität. Menschen wachsen daran, angstbeladene Situationen zu meistern.
Stegmann: Denken Sie an Spitzensportler. Wer sich an sportliche Höchstleistungen heranwagt, hat in der Regel auch Angst, er könnte sein Ziel nicht erreichen, sich körperlich überfordern und vielleicht sogar verletzen. Doch genau in dieser Unsicherheitszone liegt eben auch die Chance, über sich hinauszuwachsen.
Panse: Dieses Beispiel lässt sich gut auf die Arbeitswelt übertragen. Wenn ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz als absolut angstfreie Zone erlebt, wird er sich auf Dauer weniger anstrengen und weniger leisten.
Stegmann: Genau. Deshalb ermuntern wir die Manager dazu, ihre Leute aus dieser Komfortzone herauszuholen.
© manager magazin 5/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH