Donnerstag, 9. Februar 2012, 20:50 Uhr

manager magazin



30.03.2004
 

Anlagebetrug

Todsicheres Geschäft

Von Jonas Hetzer und Dietmar Palan

Mit Hokuspokus und leeren Versprechen ergaunern Finanzjongleure von unbedarften Anlegern Milliarden. manager magazin schildert, wie Sie die Abzocker und deren Tricks erkennen können.

Es war eines dieser Telefongespräche, die Dieter Beyer (Name von der Redaktion geändert) nie führen wollte. "100 Prozent Rendite in weniger als zwei Wochen?" wiederholte er skeptisch das Angebot seines Gesprächspartners. "Genau", bestätigte am anderen Ende der Leitung ein gewisser Jean R. aus Weingarten bei Karlsruhe: "Das Geschäft läuft praktisch risikolos, Ihr Kapital ist durch eine namhafte Bank besichert. Nach zehn Tagen bekommen Sie Ihren Einsatz zurück - und, wenn alles glatt läuft, sogar das Doppelte."

  Abgezockt:  Mit Termingeschäften, Ost-Immobilien, Hollywood-Deals, Windkraftfonds oder Venture-Capital-Beteiligungen haben windige Vermittler und halbseidene Finanzfirmen wohlhabende Anleger in den vergangenen Jahren regelrecht ausgenommmen
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Abgezockt: Mit Termingeschäften, Ost-Immobilien, Hollywood-Deals, Windkraftfonds oder Venture-Capital-Beteiligungen haben windige Vermittler und halbseidene Finanzfirmen wohlhabende Anleger in den vergangenen Jahren regelrecht ausgenommmen

Allerdings, schob R. sofort hinterher, müsse er sich schnell entscheiden: "Wir können die Konditionen nur kurze Zeit garantieren." Innerhalb von drei Tagen sollte Beyer 1,5 Millionen Euro nach Wien überweisen - an eine Firma mit dem geheimnisvollen Namen Private Fiduciary Trust. Details könne er natürlich telefonisch vorab klären.

Beyer notierte sich die Nummer, schließlich war der Kontakt zu R. mit dem Hinweis zustande gekommen, dass der Mann Geldanlagen bieten könne, auf die sogar Mitglieder einer prominenten deutschen Handelsdynastie setzten.

Der Anruf in Wien löste bei einem Herrn Hackebeil, der sich als Trust-Mitarbeiter zu erkennen gab, einen regelrechten Redeschwall aus. Da war von kurzfristigem Kapitalbedarf die Rede und von so genannten Medium Term Notes. Hackebeil versprach, dass die Transaktion über die renommierte Erste Bank von Österreich abgewickelt werden würde und dass hinter dem Geschäft Finanzierung und Bau eines Solarzellenwerkes des Ölmultis Shell stünden.

Als Beyer, ein wohlhabender Privatier, um ein schriftliches Angebot bat, wurde der Redefluss deutlich zäher, das Gespräch versickerte in unverbindlichen Floskeln. Die Unterlagen kamen nie bei Beyer an, auf den Deal hat er dann lieber verzichtet.

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