Von Eva Müller und Anne Preissner
Der Anschluss von Universal Leven steht in keinem Telefonbuch. Das Büro des Lebensversicherers im Städtchen Zeist, östlich von Utrecht, finden nur Ortskundige. Gerade einmal drei Mitarbeiter zählt das zum Allianz-Konzern gehörige Unternehmen - einen Direktor, einen Account Manager und einen Produktentwickler.
Gefährliche Wunderwaffe: Business Process Outsourcing (BPO) gilt als Zaubermittel, doch die damit verbundenen Risiken werden häufig unterschätzt
Das Erfolgsgeheimnis von Universal Leven heißt Outsourcing. Die Drei-Mann-Zentrale legt ausschließlich die Strategie fest. Um das operative Geschäft kümmern sich Externe: Selbstständige Makler verkaufen die Policen, Investmentfonds verwalten die Prämiengelder, und der IT-Dienstleister Accenture organisiert die Vertragsabwicklung.
Das virtuelle Versicherungsnetz verschafft der Allianz enorme Kostenvorteile. Ein Geschäft in der Größenordnung von Universal Leven würde bei dem Assekuranzriesen allein in der Verwaltung rund 40 Mitarbeiter erfordern. Outsourcing-Anbieter Accenture erledigt den Job mit 17 Mann.
Schlanker geht es nicht. Universal Leven führt eine Bewegung an, der immer mehr europäische Unternehmen folgen. Siemens
, Ericsson
, RWE
oder Infineon
lagern ganze Geschäftsprozesse wie Personalverwaltung, Entwicklung oder Logistik an externe Dienstleister aus.
Business Process Outsourcing (BPO) gilt als Zaubermittel, mit dem Firmen Kosten sparen, ihre Flexibilität erhöhen und Innovationen beschleunigen.
"Nach Fließband und Lean Production kann BPO die dritte Revolution der Wertschöpfung auslösen", schwärmt Accenture-Deutschland-Chef Stephan Scholtissek. Seinen Berechnungen zufolge sei es der deutschen Wirtschaft möglich, durch Auslagerung von Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen die Gemeinkosten um bis zu 40 Milliarden Euro zu senken.