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14.01.2004
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Adolf Merckle

Der Pate aus Blaubeuren

Von Heide Neukirchen

5. Teil: Der allgegenwärtige Geist des Alten

Adolf Merckle war mit Frieß in Kontakt gekommen, als er nach der Wende in den neuen Bundesländern nach einem passenden Steuersparobjekt suchte. 1996 übernahm er von der Treuhand die Plaschna Management GmbH & Co. in Berlin, an der drei Industriebetriebe und die für Merckle attraktive VEM Vermögensgesellschaft hingen. Bei ihr waren hohe Verlustvorträge aufgelaufen.

  Deutschlands Nummer eins:  Konzernzentrale des Pharmagroßhändlers Phoenix in Mannheim
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Deutschlands Nummer eins: Konzernzentrale des Pharmagroßhändlers Phoenix in Mannheim

Merckle machte die Firma zur neuen Muttergesellschaft seiner Gruppe. Das Konstrukt ist über Kapitalbeteiligungen und indirekte Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge eng verwoben. Unter Einhaltung der gesetzlichen Auflagen hat Merckle die Verlustvorträge über Jahre geschickt mit den Gewinnen seiner Firmen Merckle und Ratiopharm verrechnet - zu Lasten des Fiskus.

Die Finanzkraft der Gruppe hingegen hat stetig zugenommen. "Geld ist immer genug da", ermuntert Merckle seine Führungskräfte, wenn sie ihm viel versprechende Expansionspläne unterbreiten.

So verworren das Firmengeflecht ist, beim Eintrag ins Handelsregister gehen die Merckles verblüffend simpel vor. Sie stückeln ihre Anteile meist in Mini-Aktienpakete und umgehen so die Meldepflicht beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Als Eigner tauchen jedoch immer wieder die Namen der Eltern und der Kinder auf.

Eine der Gesellschaften, die an Kässbohrer zu 10,77 Prozent beteiligt ist, heißt Filius. Deren Eigentümerin ist wiederum die Sexta GmbH, die sich im Besitz von Adolf, Ruth, Jutta, Philipp, Tobias und Ludwig Merckle befindet.

Dieses Versteckspiel hat fast vier Jahrzehnte erfolgreich funktioniert. Selbst nachdem der Patriarch die Firmenleitung 1997 seinem ältesten Sohn Ludwig (38) übertragen hat, ist der Geist des Alten allgegenwärtig. Wichtige Entscheidungen bespricht der brav aussehende Wirtschaftsinformatiker nach wie vor mit seinen Eltern in deren Bungalow. Der Übergang vom Vater auf den Sohn sei ein Generations-, kein Systemwechsel, sagt ein Wegbegleiter.

Fragt sich nur, wie lange der Clan dieses Geschäftsgebaren noch beibehalten kann. Denn wie Finanzkreise munkeln, beabsichtigt Merckle, den Pharmahändler Phoenix an die Börse zu bringen, was Merckle freilich dementiert. Experten schätzen den Börsenwert auf zwei Milliarden Euro. Solange das System Merckle existiert, dürfte es dem Clan allerdings schwer fallen, Anleger für seine Aktie zu begeistern.


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