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31.10.2003
 

Bionade

Zaubertrank aus der Rhön

Von Wolfgang Hirn

Eine fast bankrotte Dorfbrauerei wollte ein völlig neues Getränk auf den Markt bringen - und blieb auf den Kästen sitzen. Bis die Brause zum Szenedrink wurde. Eine traurige Geschichte mit Happy End.

Wenn der Multi Coca-Cola Chart zeigen - wie in diesen Wochen mit Vanilla Coke - ein "neues" Getränk auf den Markt wirft, dann fließen die Millionen. Und zwar in die Werbung und an den Handel, damit der die Flaschen in seine Regale stellt. Der gekaufte Verkaufserfolg ist so meist garantiert.

  Bionade:  Eine arme Dorfbrauerei erfindet einen Szenedrink - eine traurige Geschichte mit Happy End
[M]Frank Schumann;mm.de

Bionade: Eine arme Dorfbrauerei erfindet einen Szenedrink - eine traurige Geschichte mit Happy End

Was aber, wenn eine arme kleine deutsche Dorfbrauerei ein neues Getränk, eine echte Innovation, unters Volk bringen will? Dann passiert jahrelang fast gar nichts. Denn ohne Geld findet hier zu Lande kaum ein Produkt den Weg zum Endverbraucher. Egal, wie innovativ es ist.

Dass es manchmal auf wundersame Weise doch gelingt - davon handelt diese Geschichte aus der Rhön.

Dort, im Niemandsland zwischen Ost und West, liegt Ostheim: 3000 Einwohner, 24 Gaststätten, zwei Brauereien. Eine davon ist die Peter-Brauerei mit der Marke Rhön-Pils.

Anfang der neunziger Jahre konnte das Bier die vierköpfige Eigentümerfamilie kaum mehr ernähren. "Wir standen damals kurz vor dem Bankrott", erinnert sich Brauerei-Chefin Sigrid Peter-Leipold (56).

Ihr Mann, Dieter Leipold (66), mit dem sie in zweiter Ehe verheiratet ist, gab sich jedoch nicht geschlagen. Der Braumeister trug bereits seit Jahren eine Idee mit sich herum: Er wollte ein natürliches Erfrischungsgetränk herstellen. "Er träumte von einer Fanta ohne Chemie", sagt seine Frau.

Und so experimentierte der Tüftler in den Jahren des Fastbankrotts Tag und Nacht, bis er schließlich 1995 die Bionade erfand - das erste biologische Erfrischungsgetränk, abgesichert durch zwei Patente.

Ein GfK-Gutachten bescheinigte der Bionade gute Marktchancen. Einziges Problem: Die Leipolds wussten nicht, wie sie die Ökobrause auf den Markt bringen sollten.

Sie boten sechs großen deutschen Brauereien die Lizenz zur Herstellung der Bionade an. Und ernteten mit dem Vorstoß nicht mehr als ein mildes Lächeln.

Also versuchte es das Ehepaar Leipold allein. 1997 reisten die beiden zu den Regio-Sitzungen des Getränkehändlerverbundes Geva und präsentierten dort ihre Bionade. Die Händler erkannten die Innovation, bestellten jede Menge Kisten - und blieben darauf sitzen.

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