Von Steffen Klusmann und Petra Schlitt
Dieter Schwarz - der diskrete, bescheidene Firmenpatriarch und sanftmütige Mäzen. So möchte er gern wahrgenommen werden. Es gibt aber noch eine andere Seite des Dieter Schwarz. Die des rücksichtslosen Handelsfürsten.
| Europas Topdiscounter | |||
| Unternehmen | Umsatz in Mrd. Euro | Filialen | |
| 1. | Aldi (Nord und Süd) | 34,1 | 5818 |
| 2. | Lidl (Schwarz-Gruppe) | 15,9 | 4978 |
| 3. | Plus (Tengelmann) | 8,0 | 3518 |
| 4. | Penny (Rewe) | 7,8 | 2905 |
| 5. | Dia (Carrefour) | 5,6 | 3547 |
| Quelle: M+M Planet Retail, 2002, Schätzzahlen | |||
Preissenkungen versuchen sie grundsätzlich den Lieferanten aufzubürden. Wer nicht mitmacht, wird ausgelistet. Bei den Verhandlungen werde gebrüllt wie im Zoo, berichten Beteiligte. "Die Lidl-Einkäufer sind alle wie geklont", sagt einer. "Sie müssen zuhören, Herr ...", lautet der mit theatralischer Gestik vorgetragene Standardspruch, wenn ein Lieferant auf Nachforderungen nicht eingeht.
"Die versuchen, die Leute fertig zu machen", klagt ein Gesprächspartner. "Eigentlich", so der Vertriebschef eines Markenartiklers, "müsste man die Gespräche abbrechen und gehen." Leisten kann sich das keiner, Lidl ist inzwischen einfach zu mächtig.
Das aggressive Auftreten der Lidl-Manager ist Teil des Systems Schwarz. Nur die Besten und Härtesten können auf Beförderung hoffen, denn Aufstiegschancen gibt es nur wenige. Den Filialleiter trennen gerade mal vier Hierarchiestufen von der obersten Führungsspitze.
Bezirksleiter kommen oft von der Universität, überwachen fünf bis acht Filialen, verdienen rund 5000 Euro im Monat und fahren einen Audi A4 als Dienstwagen. Germanisten haben bei Lidl ebenso gute Chancen wie Betriebswirte - getreu dem Motto: Das System ist so einfach, dass jeder es in drei Monaten erlernen kann.
Die Topjobs sind fast durchweg mit expansionshungrigen 30- bis 40-Jährigen besetzt. Die jungen Wilden exekutieren all das, was ihnen die Konzernspitze vorgibt.
In der Schaltzentrale sitzen bis heute ausschließlich treue Weggefährten von Dieter Schwarz. Sein engster Vertrauter ist Richard Meyer (63). Mit ihm hat Schwarz 1968 in Backnang den ersten Handelshof-Markt gebaut. Gemeinsam mit Günter Fergen (63) treibt der "beste General", wie Meyer genannt wird, die Expansion der Kaufland-Warenmärkte voran. Das Gehirn hinter der rasanten Aufholjagd der Discountsparte sind die grauen Eminenzen Werner Hoffmann (56) und Klaus Gehrig (55) - beide ehemalige Aldi-Manager.
Aufgeblähte Stabsabteilungen gibt es in Neckarsulm nicht. Im neuen Lidl-Hauptquartier in der Stiftsbergstraße arbeiten trotz der zentralisierten Organisation nur einige hundert Mitarbeiter. Besonders effizient ist das Controlling. Der Schwarz-Vertraute Hermann-Josef Hoffmann überwacht das Zahlenwerk quasi als abgekoppelter Ein-Mann-Betrieb.
Diese überschaubare Führungsstruktur mache Lidl wendiger und schlagkräftiger als Aldi, sagt einer, der beide Unternehmen kennt. So lässt Lidl seine Waren von Fremdfirmen in die Filialen karren. Vorteil: Die Leerfahrten zahlt der Spediteur. Die Discountkönige aus Essen und Mülheim fahren noch mit eigenen Lastern.
© manager magazin 9/2003
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