Wie sieht der ideale CEO (Chief Executive Officer) aus, der beste vorstellbare Vorstandschef? Muss er international ausgebildet sein, analytisch denken und in mindestens fünf Sprachen parlieren können? Oder kommt es eher auf seine soziale Kompetenz an und die Fähigkeit, Menschen zu motivieren? Eine schwierige Frage.
Komplizierter noch: Wie erweckt man den Eindruck, ein guter Chef zu sein? Unternehmensberater Martin Giese (32) versuchte es mit Humor. Der Umgang mit seinem Baby, erzählte der junge Vater, unterscheide sich kaum vom Umgang mit den Kunden: "Sie melden sich bei Tag und Nacht - und oft weiß man nicht so recht, was sie eigentlich wollen." Mit diesem Spruch hatte Giese die Lacher auf seiner Seite und eines schon erreicht: Er wirkte sympathisch.
Eine gute Voraussetzung für einen Wettstreit, dem er sich mit 19 anderen Kandidaten gestellt hatte: Giese schaffte es in die Liga der Top 20 beim Wettbewerb "CEO of the Future". Die Unternehmensberatung McKinsey und manager magazin machten sich mit dieser Aktion zum zweiten Mal auf die Suche nach den Chefs von morgen.
Wer in die Riege der vielversprechendsten Talente vordringen wollte, hatte gleich zwei Hürden zu nehmen. Zunächst galt es, ein aufwändiges Unternehmens-Strategiespiel am Computer zu bestehen. Im nächsten Schritt mussten die 20 besten Spieler einer hochkarätigen Jury im McKinsey-eigenen Tagungshotel in Kitzbühel beweisen, dass sie nicht nur am PC gut aussehen.
Die Resonanz auf den Wettbewerb war enorm. Über 21.000 Interessenten forderten die CD mit dem Strategiespiel an.
Die virtuellen Konzernlenker waren an ihrem PC mit der Herausforderung konfrontiert, die Billigfluglinie JustFly über einen Zeitraum von 20 Jahren zum Erfolg zu führen. Das gemeinsam mit der London Business School entwickelte Planspiel simuliert die Gründung und Wachstumsphase einer Airline, die durch geschicktes Management zum Höhenflug ansetzen soll. Mit ein wenig Tüftelei nach Feierabend war diese Aufgabe nicht zu lösen. "Ich habe mich im Weihnachtsurlaub reingehängt und insgesamt 50 Stunden gebraucht, bis ich einen ordentlichen Aktienkurs erreichte", schildert Jochen Peter (27) die Mühen des Chefspielens.
© manager magazin 5/2003
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