Bevor er zur Testfahrt einsteigt, zückt Jochen Pläcking (57) einen mitgebrachten Bildband. "Hier haben wir das historische Vorbild", sagt der Werber, Non-Executive-Chairman der DDB-Gruppe, und blättert ein markiertes Foto auf: "Der Lancia Thesis ist der legendären Aurelia B 10 von 1950 nachempfunden."
Zweifel an dieser Parallele wischt der große, gewichtige Mann mit ebenso großen, gewichtigen Gesten beiseite: "Das sieht doch jeder Laie", sagt er: "Hier der Abwärtsschwung der Heckpartie, dort die Proportionen von Kotflügeln und Kühlergrill in der Vorderansicht."
Jochen Pläcking ist Fachmann für Lancia: Seit drei Jahren besitzt er ein minutiös restauriertes Aurelia-Coupé, Baujahr 1958.
Der Liebhaber klassischer Automobile begreift sich selbst als "sehr formalen Menschen". Mit der "Formensprache" des Thesis ist er deshalb nicht ganz so zufrieden wie mit jener der Aurelia. Deren Karosserie wurde einstmals von Felice Mario Boano gestaltet - und gilt als zeitlos schön.
Dagegen, findet Pläcking, wirke der Thesis "äußerlich laut": Die unregelmäßig geformten Scheinwerfer, die schmalen, vertikal abgewinkelten Rückleuchten mit roten und gelben Leuchtdioden, der gewollt kühne Kühlergrill - alles zu dick aufgetragen für ein Auto in diesem Marktsegment. Kurz unterhalb der Oberklasse, weiß der Marketingfachmann, suchen die meisten Käufer Autos, "deren Glanz nicht den ihres Besitzers überstrahlt".
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Umso mehr lobt Jochen Pläcking die Inneneinrichtung des Thesis: Die runden Armaturen seien optimal ablesbar ("weil sie sich an die Jaeger-Instrumente der Aurelia anlehnen"), die verwendeten Edelmaterialien (poliertes Magnesium, matt lackiertes Holz und unendlich viel Leder) "haptisch hoch sympathisch".
© manager magazin 3/2003
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