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manager magazin



20.09.2002
 

Sucht

"Fast hätte ich mich totgesoffen"

Von Eva Buchhorn

Ein Mann verfällt dem Alkohol: Die Sucht ruiniert seine Karriere und schließlich sein ganzes Leben. Eine wahre Geschichte aus der Führungsetage eines Chemiekonzerns.

Rolf Bollmanns (62) süchtiges Leben überdauerte drei Jobs, zwei Ehen, 14 Autounfälle, einen Selbstmordversuch und ungezählte Entziehungskuren. 20 Jahre lang nahm der Marketingmanager eines großen US-Unternehmens die Welt nur durch einen Schleier von Bier, Rotwein und Tabletten wahr.

  Rolf Bollmann , ehemals Mitglied der Führungsetage eines bekannten US-Konzerns, kämpfte mehr als 20 Jahre gegen seine Alkoholabhängigkeit
Regina Recht

Rolf Bollmann, ehemals Mitglied der Führungsetage eines bekannten US-Konzerns, kämpfte mehr als 20 Jahre gegen seine Alkoholabhängigkeit

Als Bollmann den Entschluss fasste, mit dem Trinken aufzuhören, war er pleite, arbeitslos, wog noch 51 Kilo und verdämmerte seine Tage in einem vermüllten Apartment in Caracas, Venezuela.

Irgendwann stieg aus der Tiefe seines drogenzerfressenen Hirns die Erkenntnis auf, dass er an einem Punkt angelangt war, "an dem der Mensch nur noch zwei Wege hat - entweder 1,80 Meter unter die Erde oder weiterleben."

Rolf Bollmann entschied sich fürs Weiterleben. Er ließ sich, wieder einmal, in eine Entgiftungsklinik einweisen. Nach der Entlassung schloss er sich einer Selbsthilfegruppe an, die er anfangs dreimal am Tag besuchte: "Die hat mir den Arsch gerettet."

Selten ist ein Manager bereit, den langen Leidensweg seiner Sucht so offen und detailreich zu schildern wie Rolf Bollmann. Die Krankheit wird normalerweise verheimlicht, aus Angst vor der Häme der Kollegen, aus Furcht vor dem Verlust des Jobs.

So wagt denn auch keiner zu schätzen, wie viele Führungskräfte wirklich süchtig sind. Fest steht nur: Jeder zwanzigste Mitarbeiter deutscher Unternehmen, vom Manager bis zur Putzfrau, ist alkohol- oder medikamentenabhängig.

20 Prozent aller Männer im besten Vorstandsalter schlucken psychoaktive Medikamente: Schlafmittel, Beruhigungsmittel Appetitzügler, Aufputsch- oder Schmerzmittel. Bei zehn von hundert Führungskräften gehen Ärzte von riskantem Alkoholgebrauch aus. Diese Menschen sind nicht süchtig, schaden aber ihrem Körper.

Nicht jeder Manager, der regelmäßig ein Glas zu viel trinkt, läuft Gefahr, so tief abzustürzen wie Rolf Bollmann. Dennoch: Männer und Frauen in den oberen Etagen gelten unter Experten als Risikogruppe. Der Grund: Sie können ihr Problem eher verbergen und bleiben daher länger im Teufelskreis der Sucht gefangen.

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