Von Wolfgang Hirn und Heide Neukirchen
Denn auch in der Freizeit ist die Wirtschaftselite oft und gern unter sich. Früher erholten sich die Herren (und Damen) auf der Nordseeinsel Sylt. Heute bevorzugen die meisten Mallorca. Hartmann, Kuhnt, Liesen, Jens Odewald (Ex-Kaufhof) und Claas Kleyboldt (Axa) haben auf der Mittelmeerinsel ihre Domizile.
Treffpunkt Similauner: Jeden Sommer steigen sie auf die Berge - die Similauner, eine Seilschaft von Topmanagern. Bergführer ist Reinhold Messner (hinten, 5. von l.), geistiger Anführer Herbert Henzler (hinten, 3. v. r.). Er gibt für die Hüttenabende jedes Mal ein Thema vor. Diesmal: "Restructuring Trust in Top Management". Mit dabei: Reitzle (hinten, 2. v. l.), Schrempp (4. v. l.) und Burda (4. v. r.).
Wer aber entscheidet, wer dazugehört, wer mit an den Tisch der Mächtigen gebeten wird?
"Früher", meint Roland Berger, "genügte es, dreimal bei Berthold Beitz eingeladen zu sein, und man war akzeptiertes Mitglied des Netzwerks."
An diesen Usancen hat sich nicht viel geändert - nur die Namen sind andere. So sind heute Siemens-Aufsichtsratschef Baumann und seine Gattin Elke Pratley mit die begehrtesten Gastgeber der Wirtschaftselite. Wer öfter bei ihnen in München eingeladen ist, den muss man sich merken.
Dort sitzt immer öfter ein neues Gesicht: Ulrich Schumacher. Der 44-jährige Infineon-Chef soll so häppchenweise in die Deutschland AG eingeführt werden.
In den nächsten Jahren werden forsche Typen wie Schumacher in die Zirkel der Mächtigen drängen. Sie sind Anfang bis Mitte 40, global orientiert und mit den harten Gesetzen der Finanzmärkte bestens vertraut.
Werden sich mit ihnen die Deutschland AG und deren Netzwerke verändern? Sicher: Viele Netzwerke werden nicht mehr so beständig sein. Manager kommen und gehen schneller als früher. Aber einen Kern von Mächtigen hat es immer gegeben und wird es immer geben - auch in der deutschen Wirtschaft.