Die 50 Mächtigsten 2002
Wer die Deutschland AG steuert
Von Wolfgang Hirn und Heide Neukirchen
2. Teil:
Was die Wirtschaft zusammenhält
Freilich gibt es nicht das eine Netzwerk der Deutschland AG, wie es früher einmal unter den dominierenden Herren Abs, Beitz, Merkle oder Vogelsang war. Heute sind es mehrere sich überlappende Systeme, welche die deutsche Wirtschaft zusammenhalten:
DPA
Treffpunkt Festspiele: Bayreuth-Besucher Kajo Neukirchen (mit Ehefrau Erika) trifft während der Festspiele fast die gesamte Deutschland AG wieder. Die Aufführungen mit anschließendem Abendessen sind ideale Gelegenheiten, um geschäftliche Verpflichtungen mit einem Kunstgenuss zu verbinden.
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Aufsichtsrats-Netzwerke: In den Kontrollgremien und Beiräten großer deutscher Gesellschaften sitzen oft dieselben Männer. Ein kleiner Kreis von Multi-Aufsichtsräten hat über diese fest institutionalisierten Kanäle enormen Einfluss. Karl-Hermann Baumann (Siemens) zum Beispiel. Oder Henning Schulte-Noelle (Allianz), Klaus Liesen (Eon, Ruhrgas), Hilmar Kopper (Deutsche Bank) und Diethart Breipohl (Allianz). Das feine Essen nach den Sitzungen stärkt die Bande.
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Verbands-Netzwerke: Zwei Verbände sind für Topleute relevant - der bekannte BDI und der eher verkannte Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die Jahrestagungen beider Verbände sind eine ideale Kontaktbörse.
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Baden-Badener Netzwerk: Zweimal im Jahr schicken Unternehmen 30 Manager der ersten und zweiten Ebene zum Lernen und zum Kennenlernen in die Kurstadt. Drei Wochen pauken sie im Palais Biron. Das schweißt zusammen. Den 75. Kurs der Baden-Badener Unternehmergespräche anno 1985 besuchten besonders einflussreiche Teilnehmer: Karl-Hermann Baumann, Manfred Schneider, Henning Schulte-Noelle und die beiden Daimler-Vorstände Eckhard Cordes und Jürgen Hubbert.
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Karriere-Netzwerke: Durch gemeinsames Studium oder gemeinsame Arbeitgeber entstehen berufliche Seilschaften. Am ausgeprägtesten ist dies bei McKinsey. Die Ex-Berater helfen sich gegenseitig und fördern ihre Karrieren. Zentrale Stützen dieses Systems sind der ehemalige McKinsey-Chef Herbert Henzler ("Wir haben alle dieselbe Schützengrabenerfahrung") und Klaus Zumwinkel (Deutsche Post, Deutsche Telekom). Ein ähnliches Netzwerk knüpfen die Alumni der renommierten Hochschule St. Gallen. Ihre Deutschland-Vertreter: Paul Achleitner (Allianz) und Josef Ackermann (Deutsche Bank).
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Regionale Netzwerke: In mehreren Ballungszentren der Republik hocken und glucken die Mächtigen zusammen. Besonders aktiv ist die Rhein-Ruhr-Mafia um Gerhard Cromme (ThyssenKrupp), Ulrich Hartmann, Hans Michael Gaul (beide Eon) und Dietmar Kuhnt (RWE). In München dominiert die Spezl-Wirtschaft, im Raum Stuttgart die Spätzle-Connection.
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Die Gipfelstürmer: die Similauner, ein elitäres Netzwerk der besonderen Art. Zwölf Topmanager, von Ulrich Cartellieri (Deutsche Bank) bis Klaus Zumwinkel, kraxeln sommers die Berge hinauf. Ein geschlossener Klub - seit zehn Jahren. Nur Lufthansa-Chef Jürgen Weber wurde vor drei Jahren neu aufgenommen.
Wer sich in solchen Zirkeln bewegt, hat viele Vorteile: Er ist immer top informiert. Er weiß früher als andere, was in fremden Unternehmen und Branchen gerade passiert, welche Leute gut und wichtig sind. Und Netzwerker schieben sich gegenseitig Geschäfte zu.
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