Der Fetisch-Faktor
Wenn aber überall nur Understatement und "Kostenhygiene" zählen - gibt es gar nichts, womit sich dann doch ein bisschen Eindruck schinden, Profil zeigen oder Distinktionsgewinne erzielen ließen, wie der Soziologe Pierre Bourdieu sagen würde?
Doch. Zum Beispiel beim Parken.
Craig Venter, Entschlüsseler des menschlichen Genoms und Enfant terrible der amerikanischen Biotech-Szene, stellte als President von Celera Genomics seine Dienst-Porsches immer auf das für ihn reservierte Rechteck direkt neben dem Eingang zur Konzernzentrale in Rockville, Maryland. Damit alle Beschäftigten, die vor ihm Feierabend machten, sahen, dass der Chef noch arbeitete. Und damit sie wussten, wann Venter mal wieder einen seiner fünf Sportwagen gegen ein neueres Modell ausgetauscht hatte.
Bei deutschen Unternehmen ist es das größte Privileg der Chefs, nicht in die dunkle, muffige Firmentiefgarage hinabsteigen zu müssen. Die Vorstände bei RWE, ThyssenKrupp und BMW dürfen zum Beispiel vorfahren bis zur überdachten Hauptpforte. Wie im Luxushotel.
Schließlich bleiben noch Wortspiele und Anagramme auf dem Nummernschild. Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel hat sich daraus einen besonderen Spaß gemacht: Als die Essener Stadtverwaltung die Buchstabenkombination -GO freigab, wetteten Keitels Kinder, ihr Vater würde sich nie trauen, ein solches Kennzeichen zu bestellen.
Keitel hat die Wette gewonnen: Seit zwei Jahren fährt sein schwarzer Dienst-Audi A8 L mit einem E-GO-Nummernschild.
Die eigene Unterhose
Am Ende dieser Betrachtung über Führungskraftfahrzeuge gebietet es die Fairness, Einblick in die Bräuche des eigenen Unternehmens zu geben.
Die Frage nach den Dienstwagen der manager magazin Verlags-GmbH ist schnell beantwortet: Es gibt keine.
In der SPIEGEL-Gruppe, zu der auch manager magazin gehört, sind Führungsaufgaben grundsätzlich entkoppelt von automobilen Privilegien. Seit 1968 bekommen leitende Angestellte auch die Kosten für dienstlich genutzte Privatwagen nicht mehr erstattet. Anlass war ein Streit, ob Weißwandreifen zu den notwendigen Ausstattungsextras zählen.