Dienstag, 7. Februar 2012, 05:43 Uhr

manager magazin



29.11.2002
 

Chef-Limousinen

Der Fetisch-Faktor

Von Michael O. R. Kröher

6. Teil: Die Tabus

Die Tabus

Was gilt bei den Dienstwagen deutscher Führungskräfte als ganz und gar unmöglich?

  Carl-Peter Forster:  Der Vorstandsvorsitzende nutzt das Spitzenmodell der Adam Opel AG, einen Vectra GTS mit 3,2 Litern, Sechs Zylinder-Motor und 211 PS. Das Fahrwerk wurde, wie bei Forsters zuvor genutztem Dienst-Omega, nach den Maßgaben von Fahrer Michael Berger gestrafft und modifiziert.
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DPA

Carl-Peter Forster: Der Vorstandsvorsitzende nutzt das Spitzenmodell der Adam Opel AG, einen Vectra GTS mit 3,2 Litern, Sechs Zylinder-Motor und 211 PS. Das Fahrwerk wurde, wie bei Forsters zuvor genutztem Dienst-Omega, nach den Maßgaben von Fahrer Michael Berger gestrafft und modifiziert.

Ganz oben auf der Tabuliste: Stretch-Limousinen. Also jene Ungetüme mit grotesk verlängertem Radstand, in denen sich Stars der Unterhaltungsindustrie, Neureiche und Gernegroße umhergondeln lassen.

Selbst wenn die aufgeblähten Straßenkreuzer nur kurz gemietet sind: Ihre Benutzung widerspricht den Sitten deutscher Unternehmen so sehr, dass sie kann sogar zum Kündigungsgrund werden kann.

Das erlebte zum Beispiel Andreas Schmidt, bis Dezember 2001 Leiter der Bertelsmann E-Commerce-Group mit Dienstsitz New York. Schmidt verlor seinen Job nicht nur wegen geschäftlicher Misserfolge. Nach Gütersloh war auch durchgesickert, dass für ihn ständig eine Stretch-Limo vor dem Bertelsmann-Building am Times Square bereitstand. Das widersprach den ostwestfälischen Regeln zur "Kostenhygiene", die Schmidts Chef Thomas Middelhoff kurz zuvor bei einer Managertagung ausgegeben hatte.

Nicht ganz so viel Sprengkraft birgt die Order eines Zwölf-Zylinders. Mannheimer-Chef Hans Schreiber zum Beispiel, dienstlich immerhin mit 360 PS aus einer V8-Maschine unterwegs, findet die Königsklasse der Motorbauer unschicklich für angestellte Manager. Einen Zwölf-Zylinder, meint Schreiber, sollten nur Eigentümer oder geschäftsführende Hauptgesellschafter fahren. Oder eben die Vorstände von Autokonzernen, die solche Maschinen bauen.

Von dieser Option machen indes nicht alle Gebrauch, die Möglichkeit dazu hätten. So fährt Rolf Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Kölner Ford-Werke AG, nicht etwa einen Zwölf-Zylinder der zum Konzern gehörigen Marke Jaguar. Er nutzt einen sechszylindrigen Ford Mondeo.

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