Die Tabus
Was gilt bei den Dienstwagen deutscher Führungskräfte als ganz und gar unmöglich?
Ganz oben auf der Tabuliste: Stretch-Limousinen. Also jene Ungetüme mit grotesk verlängertem Radstand, in denen sich Stars der Unterhaltungsindustrie, Neureiche und Gernegroße umhergondeln lassen.
Selbst wenn die aufgeblähten Straßenkreuzer nur kurz gemietet sind: Ihre Benutzung widerspricht den Sitten deutscher Unternehmen so sehr, dass sie kann sogar zum Kündigungsgrund werden kann.
Das erlebte zum Beispiel Andreas Schmidt, bis Dezember 2001 Leiter der Bertelsmann E-Commerce-Group mit Dienstsitz New York. Schmidt verlor seinen Job nicht nur wegen geschäftlicher Misserfolge. Nach Gütersloh war auch durchgesickert, dass für ihn ständig eine Stretch-Limo vor dem Bertelsmann-Building am Times Square bereitstand. Das widersprach den ostwestfälischen Regeln zur "Kostenhygiene", die Schmidts Chef Thomas Middelhoff kurz zuvor bei einer Managertagung ausgegeben hatte.
Nicht ganz so viel Sprengkraft birgt die Order eines Zwölf-Zylinders. Mannheimer-Chef Hans Schreiber zum Beispiel, dienstlich immerhin mit 360 PS aus einer V8-Maschine unterwegs, findet die Königsklasse der Motorbauer unschicklich für angestellte Manager. Einen Zwölf-Zylinder, meint Schreiber, sollten nur Eigentümer oder geschäftsführende Hauptgesellschafter fahren. Oder eben die Vorstände von Autokonzernen, die solche Maschinen bauen.
Von dieser Option machen indes nicht alle Gebrauch, die Möglichkeit dazu hätten. So fährt Rolf Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Kölner Ford-Werke AG, nicht etwa einen Zwölf-Zylinder der zum Konzern gehörigen Marke Jaguar. Er nutzt einen sechszylindrigen Ford Mondeo.
© manager magazin 8/2002
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