29.11.2002
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Chef-Limousinen

Der Fetisch-Faktor

Von Michael O. R. Kröher

Dienstwagen gehören zur geschützten Sphäre, dienen aber auch der Selbstdarstellung. Wer nutzt welches Modell, welche Ausstattung macht das Managen leichter?

Es ist, als gehe es um einen Auftritt in Unterhosen. Wer wissen will, welcher deutsche Manager welchen Dienstwagen auf welche Weise als Arbeitsplatz und -gerät nutzt, der erntet gewöhnlich zunächst ein verlegenes Lachen, dann eine ausweichende Antwort.

  Chef-Limousinen:  Wie Manager ihren Arbeitsplatz im Auto einrichten und nutzen

Chef-Limousinen: Wie Manager ihren Arbeitsplatz im Auto einrichten und nutzen

Offenbar ist es Führungskräften peinlich, über die Autos zu reden, in denen sie in der Regel mehr wache Zeit verbringen als mit ihren Ehefrauen. In denen sie durchschnittlich einige hundert Stunden pro Jahr sitzen, telefonieren, diktieren, Akten studieren, mit Mitarbeitern diskutieren. So peinlich, als sollten sie Auskunft geben über ihre Kauf- und Nutzungsgewohnheiten von Slips oder Boxershorts.

Anders als die meisten Deutschen, die über ihr Auto lieber sprechen als über ihre Kinder, reagieren die Unternehmenslenker unwillig auf Fragen nach ihrem Arbeitsplatz im Auto. Nach den bevorzugten Modellen und Ausstattungen, nach Motorisierung und Fahrwerksabstimmung.

Offenbar sind auch Dienstwagen Teil der Intimsphäre.

Die Firmen-Etikette

So werden die Führungskraftfahrzeuge zu einer geheimnisvollen Größe. Beim Anwerben von Talenten wirken sie als Lockmittel. Sie bilden die Projektionsfläche für Träume von aufstiegswilligen Mitarbeitern wie von Neidern. In der Summe spiegelt ihr Stil die Firmen-Etikette wider.

Als profane Betriebsmittel, als motorisiertes Arbeitsplatz-Mobiliar gelten die Karossen nur beim Finanzamt - wenn ihre Kosten abgesetzt werden sollen. Ansonsten erweist sich die Geschäftswagenflotte als geeignetes Instrument, um die Unternehmenskultur mitzugestalten.

Das ist umso erstaunlicher, als der Spielraum für die Selbstdarstellung fast überall eng eingegrenzt ist durch betriebliche Vorschriften. Die legen fest, welche Modelle für welche Hierarchieebenen angeschafft werden.

Bei den Autoherstellern schlägt sich diese Klassenherrschaft dann so nieder: Rund 80 Prozent der 7100 im vergangenen Jahr verkauften großen 7er-BMW gingen an Kunden, die den Wagen überwiegend geschäftlich nutzen. Bei den 58.000 der kleineren 5er-Reihe sind es immerhin noch 70 Prozent, bei den 147.000 der 3er-Serie nur etwa 50.

Zugleich beschränken die Verordnungen die zulässigen Extras, Farben und Typen. Es lohnt sich also, beim Betrachten der Managerautos auf Nuancen und Details zu achten.

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