Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner
Herr Professor Hollmann, Sie sind gerade 77 Jahre alt geworden und noch hochaktiv. Wie halten Sie sich tagtäglich fit?
Prof. Dr. Wildor Hollmann (77) ist Gründer des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Mediziner war Inhaber zahlreicher Ehrenämter - vom Mitglied des Beirats der Bundesärztekammer bis hin zum Präsidenten der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Dazu betreute er als Arzt die deutschen Nationalmannschaften im Fußball, Golf und Hockey.
mm: Sie sind Internist, Kardiologe, Biochemiker, in erster Linie aber hochrenommierter Sportmediziner. Was bedeutet für Sie der Begriff Wellness?
Hollmann: Wellness bedeutet für mich die strukturierte Kombination von körperlicher Aktivität und angenehmer körperlichgeistiger Entspannung.
mm: Wellness meint aber auch ein vorbeugendes Gesundheitsprogramm mit einer Unzahl an Techniken und Möglichkeiten. Welche halten Sie für notwendig, welche eher für überflüssig?
Hollmann: Notwendig ist ein Minimum an körperlicher Aktivität. Dieses Minimum ist inzwischen einigermaßen exakt wissenschaftlich definiert: Der 40-jährige Durchschnittsdeutsche etwa, der keinen Sport treibt, verbraucht täglich etwa 2200 bis maximal 2400 Kilokalorien. Er muss aber 300 bis 400 Kilokalorien mehr verbrennen, um biologischen Grundgesetzen zu gehorchen ...
mm: ... die da lauten?
Hollmann: Gesundheits- und Leistungszustand eines Organismus werden bestimmt vom Erbgut, von der Umwelt sowie von der Qualität und Quantität der muskulären Beanspruchung. Die ist die Grundvoraussetzung für das gesamte Leben im Zuge der Jahrmillionen umfassenden Evolution und Selektion. Und wir sind heute die erste Generation in der Menschheitsgeschichte, die diesen biologischen Gesetzen nicht mehr gehorcht.
mm: Warum ist gerade die Bewegung so wichtig?
Hollmann: Ich bin von Haus aus ein knallharter Naturwissenschaftler und habe früher immer ein bisschen gegrinst über die Pädagogen, die durch körperliche Betätigung den Geist schulen wollten. Heute wissen wir, dass durch genügend Bewegung im Kindesalter eine Fülle von zusätzlichen Verbindungen im Gehirn entstehen. Und die haben wir ein Leben lang als Ressource zur Verfügung - in Gestalt von Intelligenz.
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