Von Klaus Ahrens
Und einmal mehr sorgte das Wasser, sozusagen Lebenssaft der Stadt, für Ungemach: Kaum war in dem 2500-Plätze-Festspielhaus der finanzielle Kollaps abgewendet, ergossen sich am Vorabend des feierlichen Neubeginns 40.000 Liter Löschwasser aus der defekten Sprinkleranlage auf die Bühne. Die Friseure der Stadt rückten mit ihren Heißluft-Haartrocknern aus, um den Schaden noch rasch zu beheben.
"Eine 50.000-Seelen-Gemeinde mit dem Gesundheits- und Kulturangebot einer Weltstadt, wo gibt es das noch ein zweites Mal?" fragt trotzig Brigitte Goertz-Meissner, die von Schloss Solms oberhalb der Stadt aus deren touristisches Wohlergehen steuert.
Die Geschäftsführerin der als Marketinggesellschaft privatisierten Kurverwaltung weiß, dass solche Exklusivität allein heutzutage nicht hinreicht. Und so erprobt sie neue Konzepte, um die Reichen und Schönen auch in Zukunft an die Stadt zu binden.
Etwa mit dem Spa Award, zu dem ihre GmbH den Anstoß gab. Oder mit einem Life-Coaching-Programm des Beraters Dieter Lutz, der im Dezember vergangenen Jahres - wiederum in "Brenner's Park-Hotel" - sein "Baden-Badener Modell der Lebensqualität" vorstellte. Eingebunden in eine eigens dafür gegründete Akademie, soll das Angebot dem Business-Menschen "Weisheit und sinnerfülltes Leben" vermitteln.
Die altväterliche Kur ist out, angesagt ist die Kurzzeitentspannung - ganzheitlich - für Körper, Seele und Geist.
Eine nachwachsende Managergeneration hat erkannt: Es gibt ein Leben vor dem Aufsichtsrats-Siechtum, dessen Gebresten in geriatrisch orientierten Heilbädern alter Art gelindert wurden. Und dieses Dasein verlangt nach immer farbigeren und effizienteren Entspannungs- und Vorbeugehilfen.
Im Angebot neben den klassischen Wasserbehandlungen: Aroma- oder Farblichttherapien, altägyptische Heilerde-Packungen (Rasul), japanische Handauflege-Prozeduren (Reiki), chinesische Meditationsgymnastik (Qi Gong). Oder - letzter Schrei - die aus Polynesien importierte Lomi-Lomi-Massage mit Tanzeinlagen.
Für die Hotellerie der Stadt ein Aufbruch zu neuen Badeufern. Die Steigenbergers haben ihrem über 160 Jahre alten "Europäischen Hof", gelegen gleich gegenüber dem Kurhaus, gerade eine 400 Quadratmeter große, gold- und mosaikfunkelnde Bade- und Wellness-Landschaft ins Kellergewölbe treiben lassen - nach 20 Jahren des Planens und Überlegens.