Selten zuvor in ihrer Geschichte hat die Containerschifffahrt einen derart heftigen Verfall der Charterraten erlebt. Für viele Schiffstypen haben sich die Tagesmieten in den vergangenen sechs Monaten halbiert. Rund einhundert Schiffe liegen weltweit bereits ohne Beschäftigung vor Anker, und es werden täglich mehr.
Neubauboom: Je größer die Schiffe, desto größer die Probleme. Die meisten Neubauten sind Frachter mit 2000 und mehr TEU (Twenty Foot Equivalent Unit, zu Deutsch: Containerstellplätze). Im Segment der Mega-Transporter mit mindestens 4800 TEU stieg das Angebot an Transportvolumen allein in diesem Jahr um fast 40 Prozent, bei Schiffen ab 6000 TEU sogar um 67 Prozent - und das, während große Teile der Weltwirtschaft schrumpfen.
Nachfragemangel: Besserung ist nicht in Sicht. Die Linienreedereien, die die Frachter von den Eignern chartern und in ihren Transportdiensten einsetzen, befinden sich in denkbar schlechter Verfassung, weil auch die Frachtraten - also die Preise pro transportierten Container - um bis zu 50 Prozent eingebrochen sind. Das bedeutet mehrere hundert Dollar weniger für jede verschiffte Box. Multipliziert mit vier, fünf oder noch mehr Millionen Containern, die ein großer Linienreeder jährlich transportiert, entstehen so schnell Einnahmeverluste in Milliardenhöhe. Weltmarktführer Maersk Sealand hat bereits eine Gewinnwarnung herausgegeben. Bei anderen, weniger potenten Konkurrenten ist fraglich, ob sie die Krise überhaupt überleben. Experten befürchten, dass sich der Markt frühestens 2004 wieder erholt.
© manager magazin 12/2001
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