Donnerstag, 9. Februar 2012, 18:02 Uhr

manager magazin



24.08.2001
 

30 Jahre manager magazin

Diebe in Nadelstreifen

Von Wolfgang Hirn

mm wird 30. Als Geschenk präsentieren wir eine Serie mit Geschicht(ch)en aus den letzten 30 Jahren - zum Erinnern, Nachdenken und Schmunzeln. Im ersten Teil gibt es ein paar Fallbeispiele von Blendern und Gamblern in Chefetagen.

Auf einer Ranch in Arizona sitzt ein 65-jähriger deutscher Ex-Bankier und wundert sich, dass niemand mehr im fernen Deutschland von ihm Notiz nimmt. Dem armen Mann kann geholfen werden: Gestatten, Ferdinand Graf von Galen, vorbestraft.

[M]: DPA; mm.de

Der Graf drehte mit Horst-Dieter Esch (58) in den frühen 80er Jahren ein Riesenrad. Esch kaufte eine Baumaschinenfirma nach der anderen auf, Galens SMH-Bank gab ihm die nötigen Kredite. Dem Charme von Esch konnte sich auch mm-Chefredakteur Werner Funk nicht entziehen: "Esch ist eine der schillerndsten und vermutlich eine der erfolgreichsten Unternehmerpersönlichkeiten der letzten Dekade", schrieb er im Editorial 8/1982. Ja, schillernd war Esch. Aber er war auch einer der vielen bösen Buben, die es auf Vorstandsetagen gibt.

In den vergangenen 30 Jahren wurden einige Herren in Nadelstreifen kriminell. Manche schlitterten einfach so hinein, andere jedoch entwickelten kriminelle Energie.

Zum Beispiel die Unternehmensverführer Bernd Otto (Coop), Karsten Bodo von Wersebe (Coutinho Caro & Co.) und Friedrich Hennemann (Bremer Vulkan), die ihre Firmen in den Konkurs trieben.

Bernd Otto (60) bastelte mit allerlei Bilanztricks den verschachtelten Handelskonzern Coop, der 1988 unter der Last von fünf Milliarden Mark Schulden zusammenbrach. Wegen Untreue bekam Otto viereinhalb Jahre Haft aufgebrummt. Vier Jahre setzte es für Coutinho-Caro-Chef Karsten Bodo von Wersebe (59). Friedrich Hennemann (65), dessen Machenschaften mm schon früh aufgedeckt hat, sitzt noch auf der Anklagebank.

Und dann gab es noch die Manager, die zwar nicht kriminell waren, aber durch ihr - milde gesagt - unvorsichtiges Verhalten ihre Unternehmen schwer geschädigt haben: zum Beispiel Heinz Schimmelbusch (57), der Mitte der 90er Jahre durch riskante Ölgeschäfte die Metallgesellschaft fast in den Ruin trieb.

Der eloquente Österreicher war der Typ des größenwahnsinnigen Blenders, der häufiger auf Vorstandsetagen anzutreffen ist - und offenbar nicht ausstirbt.

Jüngster Fall: der ehemalige EMTV-Chef Thomas Haffa (49). Auf ihn fiel selbst mm herein. "Der Wundermann" steht in 4/2000 über einem Haffa-Porträt. Wir korrigieren nachträglich: "Der Blaue-Wunder-Mann".


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