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25.05.2001
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Interview

Fit für ein langes Leben

Von Bernhard Roetzel

Lloyd-Geschäftsführer Maximilian Müller über die Vorzüge rahmengenähter Schuhe

mm:

Warum wird heute wieder Wert auf gutes Schuhwerk gelegt?

Müller: Die Wegwerfgesellschaft gibt es nicht mehr. Viele Leute bevorzugen jetzt Produkte, die langlebiger sind und bei denen es sich lohnt, sie notfalls reparieren zu lassen. Das gilt besonders für das Schuhwerk. Rahmengenähte Schuhe etwa können mindestens drei- bis viermal neu besohlt werden, ohne dass das Oberleder zerfällt.

mm: Woran lassen sich aufwändig hergestellte Schuhe auf den ersten Blick erkennen?

Müller: Am Leder. Bei einem hochwertigen Schuh muss es Narbenleder sein, die Wertigkeit lässt sich aus der Struktur des Materials ablesen. Für einen Laien ist das allerdings nicht ganz einfach.

mm: Was zeichnet rahmengenähte Schuhe aus?

Müller Von der Langlebigkeit durch sorgfältige Verarbeitung und beste Materialien mal abgesehen, ist es der Komfort. Beim Annähen des Rahmens entsteht zwischen Brandsohle und Sohle ein Hohlraum, und der wird aufgefüllt mit einer weichen Gummi-Kork-Schrot-Mischung, der so genannten Ausbaumasse. Schon nach kurzer Zeit formt der Fuß sich in dieser Masse sein eigenes Bett - bequemer kann auch ein individuell angepasster Maßschuh kaum sein.

mm: Sind maßgefertigte Schuhe dann ihren hohen Preis noch wert?

Müller: Das ist Einstellungssache. Es gibt gut gemachte Schuhe von der Stange, die genauso dienlich sein können wie ein maßgefertigter Schuh aus der Londoner Edelmanufaktur John Lobb. Bloß kann der Träger sich dann nicht rühmen: "Ich trage Maßschuhe von Lobb." Legt er allerdings darauf Wert, ist auch der Preis von 2500 bis 3000 Mark gerechtfertigt, denn er erwirbt ein individuell gefertigtes Stück aus hervorragendem Material und mit hohem Image.

mm: Wie sollte ein Schuh gepflegt werden?

Müller: Auf keinen Fall selbst glänzende Polituren anwenden, die zerstören nur das Leder. Und niemals nasse Schuhe zum Trocknen direkter Hitze aussetzen, weil das Leder sonst brüchig wird. Nach der Bürstenreinigung sollten die Schuhe mit Ledermilch oder einem wachshaltigen Pflegemittel eingerieben werden -- das verleiht Geschmeidigkeit.

mm: Und Schuhspanner?

Müller: Die sind wichtig. Sie dürfen allerdings nicht lackiert sein, sondern naturbelassen, damit die Feuchtigkeit aus dem Schuh ins Holz ziehen kann. Und im Übrigen sollte jedem Schuh nach dem Tragen mindestens ein Tag Ruhepause gegönnt werden.

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