Freitag, 16. November 2018

Luxusvilla Zehn Millionen Euro für Lagerfelds Elbblick

12.000 Quadratmeter Park, knapp 500 Quadratmeter Nutzfläche, sechs Badezimmer, Weinkeller und Butlerwohnung - die neoklassizistische "Villa Jako" in Hamburg-Blankenese, ehemals Heimstatt des Modezaren Karl Lagerfeld, ist eine Traumimmobilie. Für zehn Millionen Euro kann man sie kaufen.

Hamburg - Ein exzeptionelles Anwesen sei die 1926 errichtete neoklassizistische Villa, hieß es in der Maklerbeschreibung, in bester Lage im Hamburger Nobelstadtteil Blankenese, mit Elbblick und hohem Sicherheitsstandard. Kostenpunkt: 5,9 Millionen Euro.

Das war vor sechs Jahren. Verkauft wurde das Haus damals nicht, ebenso wenig wie im Jahr zuvor, als der damalige und heutige Eigentümer, der Musikproduzent Michael Haentjes, es schon einmal hatte anbieten lassen - für sechs Millionen Euro. Jetzt ist das Anwesen, das sechs Jahre lang dem Modezaren Karl Lagerfeld gehört hatte, wieder im Angebot, diesmal für zehn Millionen Euro.

Das Haus auf dem Kahlkampsberg ist ein großbürgerlicher Wohntraum: Umgeben von einem knapp 12.000 Quadratmeter großen Landschaftspark im englischen Stil, fällt der Blick von der herrschaftlichen Säulenterrasse aus über die Elbe. Als Haentjes und seine Frau Marlo Scheder 1998 einzogen, wurde der Garten völlig neu gestaltet - mit Seerosenteichen, Barock- und Biedermeiergarten. Der 87 Quadratmeter große Wintergarten thront über den Gartenanlagen. Die Eingangshalle prunkt mit einer großen Galerie. Die Fußböden sind zum Teil aus Marmor, die acht Meter hohen Wände handbemalt.

"Ein deutsches Haus"

Das Haus wurde in den 1920er Jahren von einem Assekuranzmakler errichtet und dann für einen Rechtsanwalt fertiggestellt. Karl Lagerfeld erwarb die damalige "Villa Schüller" 1991. Gezahlt haben soll er dafür zwischen drei und vier Millionen Mark. Das gesamte Haus, das er als "meine Passion" bezeichnete, ließ er 1997 grundlegend modernisieren. Er taufte es um in "Villa Jako", nutzte es zur Präsentation und für die Anzeigenmotive seines Parfums "Jako" und widmete ihm sogar ein Buch: Das fotografische Werk "Ein deutsches Haus."

Der stets ruhelose Lagerfeld war allerdings selten vor Ort; die Aufsicht über seine Immobilie vertraute er vor der Renovierung schon einmal studentischen Housesittern an. Damit machte er sich allerdings damals wenig Freunde bei den Anwohnern - die Studenten feierten gerne, einer renovierte sogar einen ausrangierten Bundeswehrbus vor dem Haus und überzog die noble Nachbarschaft mit Staub und Lärm. Schon 1998 verkaufte Lagerfeld die Immobilie wieder, weil die "Vibrationen" nicht mehr stimmten - angeblich hörte er in der großbürgerlichen Immobilie die Stimmen seiner Eltern. Musikproduzent Haentjes soll damals knapp acht Millionen Mark für das Anwesen bezahlt haben.

Nun ist die Immobilie abermals auf dem Markt. Dean Foley, zuständiger Makler beim britischen Nobelimmobilienvermittler Hamptons International, berichtet: "Wir hatten bereits vier Anfragen. Wir sind zuversichtlich, dass das Haus innerhalb der nächsten sechs Monate verkauft wird." Aber ist ein Preis von zehn Millionen Euro für ein Objekt gerechtfertigt, für das sich noch vor sechs Jahren selbst für sechs Millionen kein Käufer fand? "Das ist schwer zu sagen", meint Foley, "es handelt sich um ein einzigartiges Haus, das jetzt erst zum vierten Mal auf den Markt kommt. Wir halten den Preis für gerechtfertigt - aber wir müssen abwarten, was die Kundschaft denkt."

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