Dienstag, 19. Juni 2018

Bewachtes Wohnen Luxuriöse Isolation

2. Teil: Das Geschäft mit der Sicherheit

Das Geschäft mit der Sicherheit boomt in vielen deutschen Städten. Nicht überall entstehen gleich große Gated Communitys im strengeren Sinne - aber doch kleine, noble Wohnanlagen mit recht hohen Zäunen. Im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg werden die recht exklusiven "Prenzlauer Gärten" gerade erweitert. Die exklusiven Stadthäuser im englischen Stil sind mittlerweile komplett verkauft. Auch die Apartments im angrenzenden "Parkpalais" sind schon fast alle vergeben - obwohl das Haus noch gar nicht fertig ist.

Beschützter Wohnraum: In den USA - wie hier in San Jose, Kalifornien - sind Gated Communities längst etabliert
Auch im alternativen Stadtteil Kreuzberg können sich die Besserverdienenden mittlerweile hinter dicke Mauern zurückziehen. Im in der Reichenberger Straße nehmen die Bewohner ihr Auto per Aufzug direkt mit in ihre Wohnung. In einer Gegend, in der dieses Jahr schon mehrfach Oberklasselimousinen in Flammen aufgegangen sind, ein mögliches Kaufargument.

Die Bauherren spielen mit der Furcht vor der Straße: "Angst vor Übergriffen ist für Sie Vergangenheit", heißt es auf der Webseite des Unternehmens. "Gefährdete Personen kommen direkt und ohne auszusteigen sicher in ihr Loft."

Widerstand gegen bewachten Wohnraum

Bisher wurden erst sieben der elf Wohnungen verkauft. Vielleicht auch, weil die Nachbarn dem Haus offen feindselig gegenüber stehen. Erst kürzlich gab es wieder eine Demonstration. Motto: "Carlofts zur Ruine machen!" Und nicht nur in Kreuzberg regt sich Widerstand gegen die bewachten Wohnräume.

Gerade die linke Szene sieht in den Reichenfestungen die hässlichste Ausdrucksform der sogenannten Gentrifizierung. Farbanschläge und Demonstrationen begleiten die Neubauten der Luxuswohnanlagen - wohl auch, weil das Phänomen in Deutschland noch neu ist.

In anderen Ländern sind Gated Communitys dagegen längst gang und gäbe. In den USA stehen mittlerweile über 40.000 überwachte Anlagen. Doch nicht nur dort ist die Wohnform verbreitet. Seit rund 30 Jahren gehören Gated Communitys zum Bild südamerikanischer Städte. In Südafrika sind sie gerade seit dem Ende der Apartheid bei der weißen Bevölkerung beliebt. Und auch in Russland zieht sich die reiche Oberschicht zunehmend aus Städten zurück und sucht ihr Glück in umzäunten Wohnvierteln vor den Toren der Metropolen.

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