Mittwoch, 14. November 2018

Baden-Baden Die neue Schlossherrin

Den Zweiten Weltkrieg hat eines der schönsten Schlösser im Badischen unbeschadet überstanden - die Finanzkrise der badischen Markgrafen im 20. Jahrhundert dagegen nicht. Baden-Badens Wahrzeichen, das hoch über der Kurstadt thronende Neue Schloss, harrt seiner neuen Bestimmung.

Baden-Baden - Nach mehreren vergeblichen Anläufen, das seit langem leer stehende Gemäuer zu neuem Leben zu erwecken, will eine kuwaitische Geschäftsfrau das Schloss wach küssen. Aus dem ehemaligen Stammsitz des Hauses Baden und früheren Witwen- und Sommerresidenz der Markgrafen soll nun ein Luxushotel werden. Für die Stadt ist die Investorin aus dem Morgenland die letzte Hoffnung.

Doch die Pläne der Geschäftsfrau Fawzia al-Hassawi, für rund 80 Millionen Euro aus dem Schloss ein Luxushotel zu machen, stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Die Umsetzung stockt. Denkmalschützer und traditionsbewusste Bürger fürchten um das historische Stadtbild und auch um die Thermalquellen unterhalb des Schlosses.

Der von der neuen Schlossherrin angestrebte Bebauungsplan von 32.000 Quadratmetern wurde ebenso abgelehnt wie die abgespeckte Version mit 15.000 Quadratmetern. Nach anfänglicher Verärgerung wollte die Kuwaiterin eigentlich schon längst neue Pläne für 9000 Quadratmeter vorlegen. Doch: "Seit Monaten hat sich nichts getan", bedauert ein Stadtsprecher.

Das Trauerspiel um die Traum-Immobilie begann, als sich Max Markgraf von Baden Mitte der 1990er Jahre außer Stande sah, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Anlage weiter zu unterhalten. Auch das Land Baden-Württemberg und die Stadt Baden-Baden winkten angesichts eigener Finanznöte ab. In einer spektakulären Versteigerung des Auktionshauses Sotheby's kam daraufhin nahezu das gesamte Inventar unter den Hammer.

Auch wenn er für sein Museum und damit für die Allgemeinheit einige Kostbarkeiten retten konnte: Nicht nur dem Direktor des Badischen Landesmuseums, Harald Siebenmorgen, trieb es beim Ausverkauf der badischen Kulturgüter die Tränen in die Augen. War doch das Neue Schloss vor der Auktion das einzige Residenzschloss am Oberrhein mit nahezu noch einheitlicher Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert.

Es beherbergte unter anderem die wertvolle Kunstkammer der Markgrafen, die größtenteils mit Möbeln, Porzellan und Gemälden für über 80 Millionen Mark versteigert und somit in die weite Welt verstreut wurde. Die Auktion und der schon damals geplante Verkauf des Schlosses diente der Sanierung des Fürstenhauses.

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