Freitag, 16. November 2018

Schloss Salem Wertvoller Schatz

2. Teil: Kostbare Handschriften zum Verkauf?

Was aus dem geplanten Modell für den Erhalt Salems wird, ist offen. Das Haus Baden wollte dem Land Kunstschätze im Wert von rund 300 Millionen Euro überlassen. Im Gegenzug erhielte es 70 Millionen Euro, von denen 30 Millionen Euro zur Tilgung der Schulden aus Sanierungsarbeiten und 40 Millionen Euro als Kapitalstock einer Stiftung dienen sollen. "Wir übertragen unser Eigentum, wir stiften für einen gemeinnützigen Zweck", betont der offen und selbstbewusst wirkende blonde Adelsspross. Allerdings stellte sich im Laufe der Verhandlungen heraus, dass Teile der Kunstsammlung bereits dem Land gehörten. Eine Expertenkommission soll nun klären, wem was gehört.

"Aus unserem operativen Geschäft können wir Salem nicht tragen", sagt er. Land- und Forstwirtschaft sowie der Weinbau werfen nicht genug ab, um die Anlage so in Schuss zu halten wie das aktuell der Fall ist. Er ist schon froh, dass die laufenden Kosten gedeckt sind.

Die Ankündigung, kostbare mittelalterliche Handschriften zu verkaufen, hat indes einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das Land Baden-Württemberg plante Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe zu verkaufen. Der Erlös sollte in eine Stiftung Schloss Salem überführt werden, um die angefallenen Renovierungskosten zu refinanzieren. "Ich hätte eine differenziertere Diskussion erwartet", räumt Prinz Bernhard ein.

Allein 3,5 Millionen Euro hat die Restaurierung des gotischen Münsters verschlungen, das drittgrößte im Südwesten nach Ulm und Freiburg. Es ist wie der Betsaal, das evangelische Gotteshaus, seit Jahrhunderten Gemeindekirche. Besonders im Münster spürt Prinz Bernhard den Geist von Salem. "Ich bin dankbar, dass ich hier aufgewachsen bin", sagt er. "Ich fühle mich diesem Erbe verbunden und setze mich deshalb dafür ein". Wie die Kosten nun gedeckt werden, ist weiterhin offen. Findet sich keine andere Finanzierungsmöglichkeit, bleibt von Baden nur noch der Verkauf. "Aber das wäre für mich ein Greuel", so der Schlossherr in der "Bietigheimer Zeitung".

manager-magazin.de mit Material von dpa

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