Von Sandra Hofmeister
Berlin - Es gibt Ecken in Berlin, an denen die Zeit anscheinend spurlos vorbeigegangen ist. Die Heidestraße, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt, ist so ein Winkel: Zwischen Lagerhallen und Baracken stapeln Automechaniker gebrauchte Reifen am Straßenrand, Speditionen nutzen brachliegende Flächen als Parkplatz. Kaum zu glauben, dass sich ausgerechnet hier ein Team von Kreativen angesiedelt hat, denen der Ruf von Stararchitekten vorauseilt.
Auf den langen Tischreihen in der obersten Etage eines alten Gewerbebaus, Hausnummer 50, stapeln sich Bücher und Zeitschriften zwischen Computerbildschirmen und Baumodellen. Etwa 50 Berliner "Grafts" arbeiten hier - eine große Familie junger Entwerfer. "Die Jungs sind gleich da", sagt einer von ihnen in Jeans und bedrucktem T-Shirt, der sich als Max vorstellt.
So konstant wie Graft seitdem an immer neuen Projekten mit Brad Pitt tüftelt - einem Hotelkomplex in Dubai, einem Urlaubsresort in der Dominikanischen Republik oder einem Wohnturm in Tokio - hält sich auch der Hype um die Graft-Gründer. Ihre Entwürfe werden stets mit perfekten Renderings präsentiert; ob sie tatsächlich gebaut werden, spielt für die Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle.
Die Jungs stehen längst auch ohne Brad Pitt im Rampenlicht. Ihre Handschrift sind fließende Räume mit weichen Kurven und sanften, geschwungenen Linien. Interiors, die wie Traumszenarien wirken - so die Zahnarztpraxis KU 64 und das Hotel Q in Berlin, belegen eine Raumauffassung, die mit gängigen Konventionen bricht.
Decken und Böden bäumen sich wie Dünen zu schwingenden Formen auf und binden Funktionsbereiche wie Rezeption oder Loungezonen, aber auch Betten und Badewannen optisch in das Raumkontinuum ein. "Es geht darum, das Leben wie ein Spiel zu begreifen", sagt Thomas Willemeit. "Ein Spiel, das eine zusätzliche Lebensqualität schafft."
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