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22.06.2009
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Architektur

"Mehr Sinnlichkeit"

Von Mirjam Hecking

3. Teil: "Eine Vielzahl Projekte sind im Entscheidungsstau"

mm.de: Sie haben vorhin gesagt, in Italien sei man, was Nachhaltigkeit angeht, noch nicht so weit. Wo steht momentan denn Deutschland?

Landmarke: Das GSW-Gebäude in der Berliner Kochstraße
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Landmarke: Das GSW-Gebäude in der Berliner Kochstraße

Sauerbruch: Deutschland steht im Augenblick eigentlich ganz gut da - ist aber vermutlich gerade dabei, den Vorsprung deutlich zu verlieren, weil die Politik hierzulande zwar viel von Nachhaltigkeit redet aber tatsächlich nicht wirklich so wahnsinnig viel tut was Investitionsprogramme angeht. Die Autoindustrie wird da offenbar für wesentlich wichtiger gehalten. Ich denke mal, dass die Amerikaner uns daher in Kürze überholen werden.

mm.de : Ist das Ihrer Meinung nach eine Auswirkung der Krise?

Sauerbruch: Ich denke, es ist eine Auswirkung der Politik. US-Präsident Barack Obama macht entschiedene Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Ob das alles gut geht, ist zwar noch die Frage. Aber es ähnelt der Agenda, die die Grünen eigentlich seit 20 Jahren vor sich hertragen und wo sie stückchenweise auch Erfolge erzielt haben.

mm.de: Inwieweit wirkt sich den die Krise denn auf ihre Arbeit aus?

Sauerbruch: Auf das Geschäft der Architektur wirkt sie sich - zumindest in unserem Fall - sehr spürbar aus. Eine Vielzahl Projekte sind im Entscheidungsstau, wo die Bauherren sich nicht mehr vorwagen wollen, abwarten, keine Entscheidungen mehr treffen. Das ist sehr spürbar.

mm.de: Und in der Art der Bauten? Ist die Glamourarchitektur, wie viele sagen, am Ende?

Sauerbruch: Ob das wirklich der Fall sein wird, weiß ich nicht. Das ist vielleicht ein etwas voreiliger Schluss, den einige Kritiker da gezogen haben. Aber in der Tat wird auch in unserem Umfeld jetzt sparsamer gedacht. Einige Bauherren revidieren mittlerweile sogar Entscheidungen, die sie schon getroffen haben, um Kosten einsparen zu können. Und da sind nicht immer nur die langfristigen Kosten im Blick sondern auch die kurzfristigen Investitionskosten.

Man würde sich ja wünschen, dass sich mit einem gewissen Umdenken die Vorstellung von Wirtschaftlichkeit etwas ändert und langfristiger gedacht wird. Das führt ja manchmal zu etwas höheren Investitionen zu Beginn. Die Einsparungen werden dann erst mit der Zeit spürbar.

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