"Ein grünes Fleckchen Sehnsucht"
Etwa 30 Lauben, die zwischen 12.000 und 25.000 Euro kosten, haben die Architekten Schönert und Grau mittlerweile bauen lassen. Allein die Hälfte steht in Berlin. Abnehmer seien meist junge Familien. "Für sie ist die Gartenlaube ein Zufluchtsort in der Stadt. Ein grünes Fleckchen Sehnsucht", sagt Architekt Schönert.
Diese Entwicklung sieht auch Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. "Seit etwa vier Jahren gibt es eine Renaissance der Kleingartenanlagen", berichtet er.
Zwar liege der Altersdurchschnitt in deutschen Kleingartenanlagen immer noch bei 60 Jahren. 45 Prozent aller Neuverpachtungen der vergangenen fünf Jahre seien allerdings an junge Familien mit Kindern, an die "jungen Urbanen", gegangen. "Sie leben in einer schicken Stadtwohnung. Das grüne Wohnzimmer pachten sie sich dazu."
Ihre Vorstellungen vom grünen Glück unterscheiden sich dabei erheblich von denen der traditionellen Kleingärtner jenseits der 50. "Sie interessieren sich zwar auch für Obst und Gemüse, als Alternative zum Treibhausgemüse aus dem Supermarkt." Der Garten sei für sie allerdings vor allem ein Ort der Ruhe, Gelassenheit und Kreativität. "Ihre Idee: der edel gestaltete Wellness-Garten." Die braune Blockhütte aus dem Baumarkt passe da nicht ins Konzept. "Sie wollen knallige Farben und helle Räume."
Wie zum Beispiel Brigitte Sowa aus München. Für die 44-jährige Rechtsanwaltgehilfin waren Kleingärten lange Zeit "spießig" und "was für alte Leute". Doch als die Hobbygärtnerin auf der Bundesgartenschau 2005 die bunten Design-Lauben eines Studenten-Projektes sah, war sie begeistert.
Gegen den heftigen Protest ihrer Familie kaufte sie einen dieser futuristischen "Wohn-Würfel" - und pachtete den dazugehörigen Garten mit dazu. Seitdem radelt sie regelmäßig am Wochenende in die Kleingartenkolonie "SO 05" im Münchener Südosten, erntet Radieschen und Tomaten und hält ihre Gemüse- und Blumenbeete unkrautfrei. Immer öfter begleitet wird sie dabei übrigens von ihrem Mann und den beiden Töchtern. Die Trips ins eigene Grün finden die mittlerweile "total super".
Silke Katenkamp, dpa
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