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17.02.2008
 

Baubotanik

Lebendes Fachwerk

Baukunst in Koproduktion mit der Natur: Drei Stuttgarter Architekten lassen ihre Entwürfe nicht errichten, sondern wachsen. Brücken und Pavillons stehen schon, aber die Visionäre wollen höher hinaus. Ihr Fernziel: Bewohnbare Gebäude aus Bäumen mit lebender Fachwerkstruktur.

Freiburg/Stuttgart - Bäume haben zu tragen gelernt. Je stärker sie beansprucht werden, desto dicker wird ihr Holz. Damit sind sie intelligenter und anpassungsfähiger als Beton und noch dazu schöner anzusehen. Kurzum: der perfekte lebende Baustoff, wie drei ambitionierte Architekten vom Institut Grundlagen moderner Architektur der Universität Stuttgart glauben. Ferdinand Ludwig, Oliver Storz und Hannes Schwertfeger haben sich voll und ganz der Baubotanik verschrieben und bereits ehrgeizige Projekte angestoßen.

In den vergangenen drei Jahren entstanden so bereits zwei Pavillons, ein Steg und ein Vogelbeobachtungshaus aus lebenden Weiden. Zwei neue Fußgängerbrücken von sechs Metern Spannweite sollen in Kürze im Saarland in die Höhe wachsen. Die eine wird einen Lehrpfad schmücken, die andere einen Bach in einem Naturpark überspannen. In den Schubladen liegen schon die Pläne für eine 20 Meter lange Brücke über den deutsch-polnischen Grenzfluss Neiße.

Verwachsen statt schweißen

Sogar eine Anfrage für ein Hotelzimmer haben die drei Visionäre auf dem Tisch. "Es ist durchaus möglich, dauerhaft bewohnbare Gebäude aus Bäumen zu verwirklichen. Langfristig ist das unser erklärtes Ziel", betont Ferdinand Ludwig. Das Tragwerk für die ausgefallenen Konstruktionen bilden bislang dünne, hochgewachsene Weiden, die dicht an dicht gepflanzt werden.

Indem einige in die Schräge, andere in die Senkrechte sprießen, entsteht ein Netzwerk. "Wenn sich die Bäume berühren und aneinander gebunden werden, wachsen sie an dieser Stelle zusammen und bilden einen Knoten. Das ist eine Art "Baumschweißen", beschreibt Ludwig die Bauweise. Derzeit entwickeln die Baubotaniker die Verwachsungstechniken weiter. Sie möchten eine Art lebende Fachwerksstruktur erschaffen. Knicken, abschneiden und sägen sind dabei Tabu. Auch auf Nägel und Schrauben verzichten sie in der Regel.

Allerdings werden durchaus künstliche Materialien verwendet: Der 22 Meter lange Steg besteht beispielsweise aus Metallgitterrosten, die von 64 Weidenrutenbündeln getragen werden. Bei den Pavillons spannen die Bäume ein orangefarbenes Textilsegel auf. Für Hannes Schwertfeger, den Architekturtheoretiker im Bunde, gehört dieser Symbiose die Zukunft: "Die Trennung zwischen Natur und Artefakt wird aufgelöst. Man wird künftig in Koproduktion mit der Natur bauen."

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