Stuttgart/Nordhausen - Anheimelnd, gemütlich und ökologisch verträglich - das ist das Bild, das Holzhäuser bei vielen Menschen hervorrufen. "Holz wird meist als der ökologische Baustoff schlechthin gesehen", sagt Karl Gertis, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Bauphysik an der Universität Stuttgart. "Dabei ist Holz nicht allein selig machend." Jeder Baustoff habe seine Vor- und Nachteile - so auch Holz. "Es ist die Kunst des Baumeisters, die Nachteile zu erkennen und auszugleichen", erklärt der frühere Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik.
Rund 80 Prozent der Holzhäuser sind Holzrahmen- oder Holztafelhäuser, sagt Architekt Ludger Dederich, zuständig für den Informationsdienst Holz, einen Service des Holzabsatzfonds in Bonn. Bei diesen Bauweisen besteht die Tragkonstruktion aus Holz, die mit Platten aus Gips oder Holzwerkstoffen verkleidet wird. Die Zwischenräume werden mit Dämmstoffen ausgefüllt. "Das ist auch die klassische Fertigbauweise, bei der im Werk vorgefertigte Holzrahmenelemente auf der Baustelle zusammengefügt werden."
Die Bauzeiten bei Holzrahmenhäusern seien durch die Vorfertigung sehr kurz, sagt Maria Feldhaus. Dafür nehme die Planung mehr Zeit in Anspruch, so die Architektin aus Aachen. "Auf der Baustelle kann man dann nicht mehr viel ändern, aber die Ausführungen sind auch exakter." Dadurch seien die Wände luft- und winddichter.
Warm und wohlig
Massive Holzhäuser bestehen dagegen aus Brettern, Bohlen oder Kanthölzern, welche zu flächigen Bauteilen vernagelt, verdübelt oder verleimt werden, erklärt Dederich. Auch Häuser aus Massivholz hätten eine hervorragende Wärmedämmung. Eine dritte Möglichkeit sind so genannte Skelett-Konstruktionen.
"Das sind stabförmige Konstruktionen, die im Nachhinein ausgefüllt oder verkleidet werden - zum Beispiel mit Glas", sagt Dederich. Die Konstruktionen seien aufgrund ihrer Transparenz sehr beliebt, kosteten aber auch etwas mehr.
Die Holzrahmenbauweise sei unter den Holzhäusern am preiswertesten, gefolgt von Massivholzhäusern und Skelettbau. "Holzhäuser sind teurer als ein herkömmlicher Massiv-Steinbau", sagt Detlef Schmidt, Architekt aus Nordhausen in Thüringen. "Das holen sie aber nach wenigen Jahren wieder raus durch ihre gute Energiebilanz."
Für die Konstruktion von Holzhäusern werden vor allem einheimische Nadelhölzer wie Fichte, Tanne oder Kiefer verwendet, so Dederich. Das Holz für Konstruktionen werde maschinell vorgetrocknet, so dass es nicht mehr chemisch behandelt werden muss, erklärt Maria Feldhaus. Allergiker haben also nichts zu befürchten. Außerdem ergibt sich ein weiterer Vorteil: "Das fertige Holzhaus muss nicht mehr trocken gewohnt werden." Bei Massivhäusern aus Stein oder Beton dauere das bis zu drei Jahre. Und in der Dauerhaftigkeit stehen Holzhäuser den Bauten aus Stein oder Beton in nichts nach, sagt Schmidt.
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