Baden-Baden - "Die Russen kommen nicht, sie sind schon da", schrieb eine große Regionalzeitung vor knapp einem Jahr über eine Reportage aus Baden-Baden. Der Zustrom der neuen Reichen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken macht auch jenen Immobilienbesitzern Hoffnung, die bisher vergeblich nach Käufern für verwaiste oder schon verfallene Herrensitze mit großer russischer Vergangenheit suchten. Dazu gehören das Schloss Seelach und die Villa Stroh.
Von Schloss Seelach, gelegen auf dem bewaldeten Höhenzug über dem Baden-Badener Ortsteil Lichtenau, ist fast nur noch ein Trümmerhaufen übrig geblieben. Ein Diplomat des russischen Zaren, Graf Michail Irenewitsch, ließ die Villa 1862 errichten.
Umgeben von einem 74.000 Quadratmeter großen Park wurde es zum Zentrum des gesellschaftlichen Lebens der damals als Sommerhauptstadt Europas gepriesenen Kurstadt. Zar Alexander II., der deutsche Kaiser Wilhelm I. und das badische Großherzogpaar zählten zu den illustren Gästen.
Flucht nach dem letzten Mahl
Von den Erben des Erbauers erwarb der Hotelier Camille Brenner 1907 das Anwesen und machte es vorübergehend zur luxuriösen Dependance des späteren gleichnamigen Parkhotels. Während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten die Nazis das Haus, nach Kriegsende nahmen dort vorübergehend französische Soldaten Quartier. 1971 erwarb die Baugesellschaft Neue Heimat das Areal. Der Plan für ein Hoteldorf mit 700 Betten scheiterte an der Mehrheit des Baden-Badener Gemeinderats.
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Ein Verleger von Unterhaltungsmagazinen aus dem nahen Murgtal erwarb die Immobilie 1995. Er sanierte das Kutscherhaus und machte aus dem ehemaligen Gärtnerhaus eine romantische Villa im Toscana-Stil. Doch damit war seine Finanzkraft offenbar erschöpft. Inzwischen soll sich der Besitzer in Ungarn aufhalten. Eine halb ausgetrunkene Sektflasche auf der neuen, durch ein Schwimmbad aufgewerteten Terrasse, und gebrauchtes Frühstücksgeschirr im Wintergarten lassen auf einen raschen Abgang schließen.
Wesentlich unkomplizierter dürfte sich ein Eigentümerwechsel an der Villa Stroh vollziehen. Der Berliner Architekt Gustav Stroh ließ sich die herrschaftliche Villa hoch über dem Tal der Oos im Jahr 1900 bauen. Mit Außenwänden aus zartrosa Granit und einem runden Turm ist das burgähnliche Gebäude schon bei der Anfahrt aus der Kernstadt zu erkennen.
Wie ein Hubschrauber-Landeplatz liegt die Dachterrasse auf dem fünfgeschossigen neugotischen Bauwerk. Von dort und von dem darunter liegenden Ateliergeschoss eröffnet sich ein Rundblick von den Schwarzwaldhöhen über die Rheinebene bis hinüber zu den Vogesen.
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