Freitag, 22. Februar 2019

60 Jahre Schallplatte Rillen-Rituale

60 Jahre nach ihrer Erfindung ist die klassische Schallplatte immer noch da. Die große Schwarze ist einfach nicht totzukriegen. Nicht nur DJs und Coversammler schätzen das sinnliche Musikerlebnis. Langsam, aber stetig wächst der Nischenmarkt mit den nostalgischen Klangwundern.

Berlin - Wahre Liebe schert sich nicht um Argumente. Was hier zählt ist Gefühl. "Es ist dieses Ritual des Auflegens, das Saubermachen und sehen zu können, wie sich die Platte dreht, was die Vinylplatte zu etwas Besonderem macht", sagt Helge Palm.

Regelmäßig kommt der 52-Jährige in den kleinen Plattenladen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Wenn er die Wahl hat zwischen CD und LP, kauft er die Schallplatte. An der Ladentheke ist der Kampf zwischen der großen Schwarzen und dem kleinen Silberling längst entschieden. Die CD hat gewonnen und kämpft inzwischen selbst gegen neue digitale Speicher. Aber die alte Schallplatte aus Vinyl verteidigt auch 60 Jahre nach ihrer Erfindung hartnäckig ihren Platz in den Herzen vieler Menschen.

Am 21. Juni 1948 rotierte die Langspielplatte aus Polyvinylchlorid (PVC) zum ersten Mal. Der Ingenieur Peter Goldmark bei dem amerikanischen Medienunternehmen CBS hatte sie entwickelt. Schnell setzte sie sich weltweit gegen ihre Vorgängerin - die Schellackplatte - durch.

Die Zukunft der Vergangenheit

Die neue Platte war billiger, ihr Klang schöner und mit einer Geschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute bot sie eine deutlich längere Spieldauer: etwa 25 Minuten pro Seite. Die Schellackplatten konnten mit 78 Umdrehungen lediglich ein einziges Musikstück wiedergeben. Die ersten deutschen LPs erschienen 1951 bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft.

Nicht nur bei Klassikliebhabern ist die Schallplatte nach wie vor beliebt. Vor allem passionierte Discjockeys schwärmen vom den Rillen. So auch René Murawski: "Ich liebe Vinyl. Ich kaufe keine CDs. Klang und Gefühl einer LP sind einfach viel wärmer und satter." Mit Kopfhörern auf den Ohren lauscht der 27-Jährige andächtig der Musik. So wie Murawski denken viele und sichern der Vinylplatte eine Zukunft. Vor allem elektronische Musik, HipHop und Rock, aber auch Funk, Soul und Jazz wird noch immer auch auf Vinyl produziert. Die neuesten Pop-Remixes von Madonna bekommt man inzwischen auch wieder auf Platte.

Anja Schneider gründete vor drei Jahren die kleine Berliner Plattenfirma Mobilee Records, deren Kerngeschäft noch immer die klassische Schallplatte ist. Sie macht 60 Prozent der Produktion aus. "Am Anfang habe ich viele kritische Stimmen gehört, ob sich ein Vinyl-Label überhaupt noch lohnt", sagt Schneider. "Und jetzt sind wir immer noch da." Schneider legt selbst regelmäßig in Clubs auf. "Wenn sehr gute DJs mit drei Platten gleichzeitig auflegen, sie herumwirbeln und scratchen ist das harte Arbeit - aber auch richtig schön zum Zuschauen", begeistert sich Schneider.

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