Sonntag, 9. Dezember 2018

Dieter Rams Der Apple-Inspirator

Er gilt als Großvater des iPhone und hat mit seinen Hifi-Anlagen, Küchenmaschinen und Möbeln den Geschmack ganzer Generationen geprägt. Mit manager-magazin.de sprach Designlegende Dieter Rams über visuelle Umweltverschmutzung, optischen Verschleiß und das ultimative Auto.

mm.de: Herr Rams, Sie sind jetzt 75, aber Ihr Design scheint an Aktualität nichts verloren zu haben. Im Internet werden Sie als eine Art Großvater des iPhone gefeiert und Apple-Chefdesigner Jonathan Ive hat sich erst kürzlich bei Ihnen für Ihre Inspirationen bedankt. Was denken Sie, wenn Sie ein iPod oder ein iPhone sehen?

Rams: Ich betrachte das als Kompliment. Kompliment auch für meine Arbeit. Ich finde es legitim, dass man gewisse Dinge aufgreift, beispielsweise Tasten. Die kann man nicht neu erfinden. Die muss man auch nicht neu erfinden.

mm.de: Hat sich die Designlandschaft Ihrer Ansicht nach in den vergangenen Jahrzehnten denn zum positiven entwickelt?

Visionär: Auch nach Jahrzehnten haben die Entwürfe von Dieter Rams nichts an Aktualität verloren. In November wird der Gestalter mit dem Lucky Strike Design Award ausgezeichnet
Rams: Gutes Design gibt es auch heute immer noch viel zu wenig. Es gibt viel Zeitgeistiges, viel Unbrauchbares, vieles was ökologisch keinen Sinn ergibt - überhaupt viel zu viel. Es sollte deutlich weniger geben - dafür aber Besseres.

mm.de: Sehen Sie denn auch Verbesserungen?

Rams: Die Welt ist nicht vernünftiger geworden, sogar im Gegenteil immer unvernünftiger. Diejenigen Unternehmen, die Gestaltung wirklich ernst nehmen, kann man weltweit immer noch an zehn Fingern abzählen.

mm.de: Die da wären?

Rams: Beispielsweise Apple, Olivetti oder in Teilen auch Sony. Aber das Gros der Unternehmen bringt Design in Verruf. Und zwar in einer Weise, dass man sich schämen muss, überhaupt noch zu sagen, dass man Designer ist.

mm.de: Glauben Sie, dass es Zeitalter gibt, die ästhetischer sind als andere?

Rams: Nein, ich denke nicht. Es hat sich aber eine entscheidende Determinante geändert. Früher hat eine Minderheit die ästhetisch dominierenden Merkmale, beispielsweise im Baustil einer Zeit, bestimmt. Heute ist das nicht mehr so. Es gibt aber auch heute noch eine Minderheit, die geschmackssicherer ist als der Durchschnitt der Bevölkerung. Einige große Designer werden meiner Ansicht nach allerdings klar überschätzt.

mm.de: Welche?

Rams: Ich möchte keine Namen nennen.

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