Sonntag, 17. Februar 2019

Luxusuhren "Sie sind erst richtig gut, wenn ihre Produkte gefälscht werden"

Hersteller von Luxusuhren frohlocken, denn noble Zeitmesser sind begehrt wie selten zuvor. Woran aber erkennt man hervorragende Uhren, was macht Uhren unverwechselbar? manager-magazin.de sprach mit Kim-Eva Wempe, Chefin der gleichnamigen Juwelierkette.

mm.de:

Frau Wempe, was macht eine Uhr unverwechselbar?

Kim-Eva Wempe: Sie ist wie ihr Vater Hellmut Wempe persönlich haftender Gesellschafter der Gerhard D. Wempe KG. Das Unternehmen hat 25 Niederlassungen weltweit, im Geschäftsjahr 2004 wurde mit 460 Mitarbeitern ein Umsatz von 163 Millionen Euro erwirtschaftet. Allein am Stammsitz Hamburg arbeiten 42 Uhrmacher, darunter der einzige Deutsche mit der höchsten Zertifizierung von Patek Philippe.
Wempe: Die Authentizität der Geschichte der Uhr ist ausschlaggebend. Eine Unverwechselbarkeit hat nicht zwingend mit der Produktionshöhe zu tun. Richtig aber ist: Eine handgefertigte Uhr aus feiner Produktion kann wunderbarerweise nicht unendlich vervielfältigt werden. Doch auch hier gilt: Vorsicht, denn es gibt leider auch Uhrenmarken, die zwar auf geringe Produktion und hohe Preise bauen, aber nicht halten, was sie versprechen.

Ein extremes Gegenbeispiel sind dafür Rolex-Uhren. Weit verbreitet mit exzellenter Qualität ist eine Rolex immer einmalig. Selbst der Kunde, der diese Uhren nicht mag, kennt sie und das macht sie einmalig. Rolex steht als Synonym für die Uhr.

mm.de: Ist die Renaissance der mechanischen Uhren vorbei? Wenn nicht, warum?

Wempe: Der Siegeszug der mechanischen Uhren dauert ja schon seit Ende der 80er Jahre. Ein Ende ist nicht Sicht. Das ist auch einfach zu erklären, weil viele Menschen, insbesondere Männer, sich für Technik interessieren. Bei Frauen ist das - wenn man das so verallgemeinern darf - allerdings immer noch so, dass sie statt Mechanikuhren lieber Quarzuhren kaufen.

Audemars Piguet. Royal Oak Offshore Scuba: Der innenliegende Drehring lässt sich per separater Krone bei der "10" so verstellen, dass die verbleibende Tauchzeit mit einem Blick zu sehen ist. Die Uhr kostet in der Edelstahlversion 9950 Euro. IWC. Portugieser Regulateur: Kernstück des Sondermodells ist das Jones-Kaliber 98240, einbaut in das legendäre Portugieser-Gehäuse. Die Uhr kostet in der 18 Karat Rotgold-Version 13.200 Euro. Vacheron Constantin. Overseas Dual Time: Die sportliche Armbanduhr besticht durch eine Vielzahl besonderer Komplikationen: angefangen bei zwei Zonenzeiten und Zeigerdatum bis hin zur Anzeige der 40-Stunden-Gangautonomie. Die Uhr kostet 9950 Euro. Breitling. Superocean GMT: Das Edelstahlgehäuse besticht mit einer einseitig rastenden Drehlünette und einem Sicherheitsventil, das einem Wasserdruck bis 1000 Meter Tiefe standhält. Die Uhr kostet 1990 Euro.
Chopard. Mille Miglia Taucher-Chronograph: An die maritimen Vorbilder erinnern die einfache Handhabung der Krone, die Chronographendrücker, die optimal ablesbare Zifferblatt-Zeiger-Anordnung und die griffige, einseitig rastende Tauchzeit-Drehlünette Glashütte Original. Senator Chronograph: Das veredelte Handaufzugswerk mit fünf verschraubten Goldchatons, Schraubenunruh und eleganter Schwanenhals-Feinregulierung treibt einen Chronographen-Mechanismus an, der zwischen einer Achtelsekunde und dreißig Minuten stoppen kann. Die Uhr kostet in der 18 Karat Roségold-Version 9900 Euro. Jaeger-LeCoultre. Reverso Grande Automatique: Die "Ikone des Art déco" verfügt über ein Automatikwerk inklusive zwei Federhäuser, 50 Stunden Gangautonomie, sowie ein Rotor, dessen Keramikkugellager kein Öl benötigt. Die Uhr kostet in der 18 Karat Rotgold-Version 13.500 Euro. Panerai. Radiomir 42 mm Chronograph: Herausragendes Merkmal ist das Kaliber 1872, welches vom renommierten Rohwerkehersteller Nouvelle Lémania stammt. Die Uhr kostet in der Edelstahl-Version 8500 Euro.

Auswahl aus der Wempe-Sonderedition anlässlich des 100. Jahrestags der Wempe Chronometer-Werke
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Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass bei Patek Philippe, also dem Hersteller mit der längsten Tradition von mechanischen Uhren, die erfolgreichste Damenuhr ein Quarzwerk hat.

mm.de: Woran erkennt man eine hervorragende Uhr? Vor allem am Uhrwerk?

Wempe: Vor allem daran, dass sie läuft und läuft. Und daran, dass es weltweit einen Service gibt, denn es ist ein mechanisches Objekt.

mm.de: Was verstehen Sie unter Innovation bei Luxusuhren?

Wempe: Innovation bei Uhren ist zu unterscheiden zwischen innerer Konstruktion, dem Design und dem Erfinden einer neuen Kategorie. Ad hoc fallen mir bezüglich des Letztgenannten die ersten noblen Sport-Stahluhren ein, die Ende der 60er Jahre auf den Markt kamen. Stichwort ist hier: Nautilus und Royal Oak.

Es gibt darüber hinaus Hersteller, die sind von der Grundidee der Marke schon innovativ - Panerai zum Beispiel.

Ein anderes Beispiel ist der Hersteller A. Lange & Söhne, der 1994 als technische Innovation das Großdatum eingeführt hatte. Oder Jaeger-Le-Coultre, die 2004 ein ganz besonderes Highlight, das GyroTourbillon hergestellt haben. Dieses Meisterwerk lässt die Unruh nun erstmals dreidimensional rotieren. Zusätzlich zu Stunden und Minuten besitzt dieser Wirbelwind einen ewigen Kalender mit retrograder Anzeige und gibt noch Auskunft über die wahre Sonnenzeit. Dieser verrückte Käfig ist Feinmechanik im höchsten Sinne.

Bestimmte Komplikationen übernehmen natürlich auch andere Markenproduzenten. Chanel beispielsweise kauft Tourbillons in der Schweiz zu, und baut sie dann in Keramikuhren ein. Das ist eben deren Art des Marketings. Ich finde diese Zusammenstellung unpassend.

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