Freitag, 16. November 2018

Statt Auto Die SMS als Busfahrschein

Osnabrück steigt in Sachen öffentlicher Nahverkehr zur Weltmetropole auf. Die 160.000 Einwohner der Stadt können ihren Busfahrschein per Handy bezahlen. Eine bundesweite Lösung lässt allerdings noch auf sich warten.

Osnabrück - Die lästige Suche nach Kleingeld für einen Busfahrschein gehört in Osnabrück der Vergangenheit an. Ein Pilotversuch zum Ticketkauf per Handy habe sich mit rund 900 Kunden als Erfolg erwiesen, teilten die Stadtwerke Osnabrück und die Partnerfirma Teltix GmbH am Mittwoch mit. Jetzt wird das System dauerhaft eingeführt. Völlig unklar ist derzeit allerdings, wann ein flächendeckendes System in Deutschland jemals realisiert wird.

Moderne Technik:
Zusammen mit dem Osnabrücker Busfahrer Helmut Harms (l.) stellt Niedersachsens Verkehrsministerin Susanne Knorre (SPD) das "Mobile Busticket per SMS" vor. Das System in Osnabrück: Von den mobilen Fahrscheinen, die per Handy direkt vor Fahrtantritt geordert werden können, seien in der Testphase 15.000 ausgeliefert worden, sagte Stadtwerke-Vorstandsmitglied Stephan Rolfes. Das Angebot werde vor allem von Gelegenheitsfahrern genutzt.

Entwickelt wurde der Ticketvertrieb per Mobiltelefon von der Teltix GmbH in Hamburg. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers müssen sich die Kunden des Handy-Ticket-Services zunächst bei Teltix registrieren lassen und dort ein Konto einrichten, vom dem bei jedem Fahrscheinkauf per Handy der Fahrpreis abgebucht wird.

Einheitliche Lösung noch nicht in Sicht

In der 160.000-Einwohner-Stadt Osnabrück hängt an allen Haltestellen die Telefonnummer aus, die für die Bestellung zu wählen sei, sagte Teltix-Sprecher Jochen Baumeister. Die bestätigende SMS werde anschließend sofort zurück gesandt und könne dann Kontrolleuren auf dem eigenen Handy als Fahrschein vorgezeigt werden.

Einzelfahrschein: per SMS
Im Falle von Übermittlungsstörungen könnten die Kontrolleure mit Hilfe der Handynummer durch ein eigenes Gerät überprüfen, ob gerade von dem betreffenden Mobiltelefon aus ein Ticket bestellt worden sei.

Die Bestellanrufe seien kostenfrei. Außerdem gelte das Bestpreisprinzip, das dem Kunden stets den günstigsten Tarif für Busfahrten garantiere. Wer etwa an einem Tag in Osnabrück nacheinander drei Busfahrscheine zum Preis von jeweils 1,10 Euro ordere, werde am Ende nur mit dem Preis einer Tageskarte von 2,50 Euro belastet.

Intensive Gespräche führt derzeit der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDH) mit Verkehrsverbünden in Deutschland zu dem gleichen Thema. "Wir versuchen eine nationale Lösung beim Thema elektronischen Fahrgeld-Management auf den Weg zu bringen", erklärt ein Sprecher des Verbandes gegenüber manager-magazin.de. Ziel sei die Vermeidung von lokalen Einzellösungen. Mitglieder der Projektgruppe seien unter anderem die Verkehrsverbünde Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Berlin.

Statt auf SMS setzt das VDV-Projekt allerdings auf Java-Technologie, die in den Handys der neuen Generation integriert ist. "SMS kann man ja kopieren und weiterleiten", begründet der Sprecher die Ablehnung der SMS-Technologie. Langfristig plane der Verband in Übereinkunft mit den Verkehrsverbünden ein bundesweites Handyticket für Geschäftsreisende und Touristen. Ebenso langfristig sollen bundesweit mit der Technik Fahrplanauskünfte eingeholt werden können.

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