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24.12.2009
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Uhren

Purismus fürs Handgelenk

2. Teil: Einzelstücke nach Maß

Auch fast 50 Jahre nach ihrem Entwurf strahlt die "Max Bill" mit ihrer Kombination aus schmaler Lünette, puristischem Zifferblatt und gewölbtem Plexiglas kompromisslose Modernität aus. Der Träger sieht sich durch die präzisen Linien an eine Zeit gemahnt, als die Zukunft noch berechenbar erschien - vielleicht ist das das Geheimnis ihres jetzigen Erfolgs.

Ohne schnick-Schnack: Die Stowa Antea basiert auf einem Modell aus den 30er Jahren
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Ohne schnick-Schnack: Die Stowa Antea basiert auf einem Modell aus den 30er Jahren

Anhaltender Beliebtheit - nicht nur unter Kreativen - erfreut sich Nomos aus Glashütte. Der Hersteller hat es nach seinem Marktstart 1992 verstanden, der Nachfrage durch fantasievolle Variation der Produktpalette immer neue Nahrung zu geben. Auf den ersten Blick wirkt auch das neue Modell "Zürich" nur wie die junge Schwester der "Orion". Auf den zweiten Blick zeigt sich mehr Markanz im Detail, was zusammen mit dem größeren Durchmesser männliche Käufer erfreuen soll. Gewachsen ist auch der Preis: auf stattliche 2400 Euro.

Beliebtestes Nomos-Modell ist die Tangente. Dank ihrer Typographie galt sie lange als unverwechselbar. In Gestalt der Stowa Antea ist ihr aber eine Uhr aus anderem Hause wie aus dem Gesicht geschnitten. Ein Fall von Produktpiraterie unter Landsleuten? Mitnichten, sagt Viveca Hafner von Stowa in Engelsbrand: "Stowa existiert seit 1927 und hatte so ein Modell schon 1938 im Programm. Daran konnten wir bei der Wiederauflage anknüpfen."

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Modellen liegt im Preis: Die Stowa Antea gibt es bereits ab 330 Euro. Das hängt mit dem weniger individuellen Werk und dem Direktvertrieb bei Stowa zusammen. Dafür müssen Interessenten mehrwöchige Lieferfristen in Kauf nehmen. Als spontanes Geschenk scheidet die Antea damit aus.

Gar sechs Monate beträgt derzeit die Wartezeit bei D. Dornblüth & Sohn in Kalbe. "Wir fertigen nur auf Bestellung und maximal 150 Uhren im Jahr", sagt Juniorchefin Anja Wernecke. Angelehnt an alte Beobachteruhren der Marine, strahlt das Design unaufgeregte Solidität aus. Die eigentliche Schauseite aber ist der Glasboden, unter dem sich ein von Dornblüth bis zur Unkenntlichkeit verfeinertes Handaufzugwerk Schweizer Provenienz zeigt. Die Modifikationen machen je nach Modell bis zu 75 Prozent aus, was die Preise ab 2900 Euro erklärt.

Viele Dornblüth-Kunden lassen sich die Anschaffung noch ein bisschen mehr kosten: Sie wollen kein Modell von der Stange und fahren nach Kalbe, um mit den Uhrmachern die individuellen Zutaten zu besprechen. Dass sie mit ihrem Kauf an einer kleinen "Erfolgsgeschichte Ost" mitschreiben, dürfte die Verbundenheit mit der Uhr noch vertiefen. Es gehörte schon ein Stück Tollkühnheit dazu, als sich Vater und Sohn Dornblüth um die Jahrtausendwende entschlossen, in der ostdeutschen Provinz den Traum von der eigenen Uhren-Produktion in die Tat umzusetzen.

Tobias Wiethoff, dpa

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