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20.11.2009
 

Luxusuhren

Gute Pflege für gute Werke

Von Maren Hoffmann

Selbst Uhrenliebhaber vernachlässigen bisweilen die regelmäßige Wartung. Dabei braucht ein feines Werk gute Pflege. Uhrmacherin Christine Genesis verrät, worauf es bei der Wartung ankommt, warum man die Armbanduhr nie auf dem Fernseher ablegen sollte und wieso man das Datum lieber nicht um Mitternacht einstellt.

Hamburg - Tickedi-tickedi-tickedi-tickedi. Kaum liegt die Uhr in der Halterung, wird das fast unhörbare Ticken des Sekundenzeigers von einem viel schnelleren, lauten Rhythmus übertönt. Auf einem Display wird eine feine Zickzacklinie sichtbar. "Was wir jetzt hören, ist das Schwingen der Unruh", erläutert Christine Genesis, "die Zeitwaage wandelt die Geräusche der Uhr, die wir vom Mikrofon hören, in eine digitale Anzeige um." So kann überprüft werden, ob die Uhr in jeder Lage gleich geht und wie sie nachreguliert werden muss.

Auf dem Arbeitstisch der Hamburger Uhrmachermeisterin liegen Rolex-Ersatzteile und Cartier-Gehäuse neben den feinen Werkzeugen. Die Chronometer ihrer Kunden nimmt die zierliche blonde Frau mit der markanten schwarzen Brille bei der alle drei bis fünf Jahre anstehenden Wartung komplett auseinander - und sie hat einige Ratschläge parat, wie Uhrenliebhaber mit ihren Stücken umgehen sollten.

"Jede mechanische Uhr braucht eine regelmäßige Wartung - das ist wie bei einem Auto", erläutert Genesis, die nach ihrer Lehre an der Uhrmacherschule in Pforzheim lange beim Uhrenhändler Wempe edle Chronometer gewartet und repariert hat. In ihrer Werkstatt gibt sie regelmäßig Seminare, bei denen die Teilnehmer eine Uhr auseinandernehmen, veredeln und wieder zusammenbauen können. Seit einigen Jahren bietet die Uhrmacherin auch eine eigene Kollektion an.

Wasserdichtigkeit muss immer wieder geprüft werden

"Die Uhr muss in alle Einzelteile zerlegt werden, dann kommt sie in ein Reinigungsbad - wenn man das nicht macht, kann der über die Jahre anfallende Stahlabrieb zusammen mit dem Öl in der Uhr eine Schmirgelwirkung entfalten. In den Zapfen entstehen dann Rillen, und schließlich brauchen die Teile immer mehr Kraft, um bewegt zu werden. Irgendwann kann die Uhr sogar stehen bleiben. Dann kann es richtig teuer werden, weil viele Teile ersetzt werden müssen."

Bei der Wartung sieht ein Uhrmacher, der seine Aufgabe ordentlich macht, alle Teile komplett mit der Lupe durch und überprüft sie auf Verschleiß. Abgenutzte Teile müssen ersetzt werden. Dabei sollten nur Original-Ersatzteile zum Einsatz kommen. Kunststoffdichtungen müssen regelmäßig ersetzt werden, und bei der Reinigung sollte auch die Zugfeder aus dem Federhaus genommen werden.

Der Aufwand für die Wartung schwankt: Einfachere mechanische Uhren, die aus ungefähr 80 Teilen bestehen, könnte man schon in zweieinhalb Stunden warten, meint Genesis - eine komplizierte Uhr hingegen, die vielleicht noch einen ewigen Kalender und eine Stoppuhrfunktion hat, kann aus 800 Teilen bestehen. Wenn sie dann noch ein Stahlarmband hat, das ebenfalls aufgearbeitet und neu poliert werden muss, kann die Wartung schon mal mehr als einen Arbeitstag in Anspruch nehmen.

Damit die anfallenden Arbeiten nicht allzu aufwendig werden, sollte man tunlichst einmal im Jahr seinen Chronometer auf Wasserdichtigkeit prüfen lassen, empfiehlt Genesis. Das kostet allenfalls ein paar Euro - aber diese Ausgabe nicht getätigt zu haben, bereut man spätestens dann, wenn man seinen edlen Zeitmesser doch versehentlich geflutet hat.

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