Von Maren Hoffmann
mm.de: Wie wird der Flug selbst ablaufen?
Rohde: Die Technik ist revolutionär. Wir machen keinen vertikalen Start, sondern starten horizontal vom Trägerflugzeug aus, der White Knight II, das ist auch viel sicherer als ein Raketenstart vom Boden. Der Wiedereintritt wird beim Spaceship Two durch die ein- und ausklappbaren Tragflächen aerodynamisch kontrolliert. Die White Knight wird uns zuerst auf 15.000 Meter Höhe bringen, dann wird das Spaceship abgekoppelt, zündet für zwei Minuten seine Triebwerke und erreicht innerhalb von acht Sekunden Überschallgeschwindigkeit. Mit 5000 Stundenkilometern schießen wir dann weitere 100 Kilometer hinaus ins All.
Wir werden sechs Passagiere und zwei Piloten sein, und wir werden alles erleben, was zu einem Weltraumabenteuer gehört: Die Schwerelosigkeit, den Blick von tausend Meilen in jede Richtung, Sonne, Mond, Erde und Sterne gleichzeitig sehen. Wir werden den Raketenantrieb am eigenen Körper spüren und den Himmel vorbeirasen sehen, erst hellblau, dann dunkelblau, lila und schließlich schwarz. Und dann werden wir die einzigartige Stille erleben. Wir werden Helme mit Kameras haben, die alles aus unserer jeweiligen Blickrichtung filmen, und höchstwahrscheinlich sogar eine Liveverbindung zur Erde.
mm.de: Sehen Sie sich als Touristin oder als Astronautin?
Rohde: Diese Frage stelle ich mir gar nicht. Für mich ist es nur wichtig, die Welt von oben zu sehen. Ich tue das um des Erlebnisses willen, nicht, um mich nachher mit irgendeiner Bezeichnung schmücken zu können.
mm.de: Was kann nach einem solchen Erlebnis noch kommen? Wenn Sie sich jetzt schon Ihren Lebenstraum erfüllen - was bleibt dann für die Jahre danach?
Rohde: Ich glaube, dass mich diese Reise verändern wird. Man bekommt sicherlich ein tieferes Verständnis für die Welt und die Schönheit und Zerbrechlichkeit unserer Erde, und weiß das dann alles viel mehr zu schätzen. Man kann von einem erfüllten Traum ein Leben lang zehren und Kraft daraus schöpfen. Ruhig werden kann man doch im Alter. Danach kann man das Erlebnis dann sacken lassen. Es wird auf jeden Fall eine Bereicherung sein. Jeder normale Astronaut muss ja auch zurückfinden in sein Leben - oder zehn, fünfzehn Jahre auf die nächste Mission warten.
mm.de: Und Sie wollen einfach wieder normal arbeiten gehen, als wäre nichts gewesen?
Rohde: Es wäre meinen Eltern gegenüber doch ziemlich gemein, wenn ich alles den Bach runtergehen ließe, was die ihr Leben lang aufgebaut haben, nur weil ich im Weltall war.
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