Von Martin Brinkmann
Hamburg - Highend-Hifi im Passat? Bisher war die Mittelklasselimousine aus Wolfsburg nicht gerade das Auto, das man mit Sound-Enthusiasten verbunden hat. Aber die bisherigen Modellversionen wurden ja auch nicht mit dem Slogan "Luxus, an den man sich schnell gewöhnt" beworben.
Die Entscheidungsträger bei Volkswagen konnten sich allerdings nur langsam an die Idee eines luxuriösen Audiosystems für den Passat gewöhnen. Was bei der Konzernschwester Audi mit Systemen von Bose - und demnächst Bang & Olufsen - längst üblich ist, sei im "Maschinenbau-geprägten" Unternehmen VW nicht leicht durchzusetzen gewesen, berichten Insider. Der Vergleich, dass man mit 40 PS auch Auto fahren könne, aber mit 300 PS vielleicht noch schöner, soll die Bedenkenträger schließlich überzeugt haben.
Und so gibt es nun erstmals in einem Volkswagen ein Hifi-System, das unter eigenem Markennamen auftreten darf. Bisher galt in Wolfsburg die No-Name-Regelung, auch die 12-Kanal-Anlage im Phaeton heißt schlicht "Audiosystem High-End 12/12". Sie verfügt allerdings auch nur über schlappe 270 Watt, während der "Dynaudio Sound Volkswagen Individual" im Passat 600 Watt zu bieten hat.
Doch es ist nicht nur die Power, sondern die Präsenz des Dynaudio-Systems, die den Passat akustisch in die Luxusklasse befördert. Ob funkiger Soul, filigrane Klassik, Jazz oder A-cappella-Gesang: Die 10-Kanal-Anlage gibt jeder Musik so plastische Konturen, dass man, vor allem auf den Vordersitzen, ständig irgendwo zwischen Frontscheibe und Motorhaube nach der Bühne sucht - natürlich nur so lange, bis man sich auch an diesen Luxus gewöhnt hat. Und wer dann anfängt, die Höhen, Mitten und Bässe von Hand zu justieren, merkt schnell, dass die Neutralstellung der Regler bei fast jeder Musik auch die Idealstellung ist.
Diese Balance hat eine lange Vorgeschichte. Bereits vor fünf Jahren nahm VW Kontakt zu führenden Herstellern von Lautsprechern auf und ließ sich Mustersysteme vorstellen. Die Wahl fiel auf das dänische Unternehmen Dynaudio, das seit den 80er Jahren durch spektakuläre Neuentwicklungen auf sich aufmerksam macht und heute zur crème de la crème der Hifi-Branche zählt.
Auch unter Profis genießen die Dänen höchstes Ansehen. So ordert zum Beispiel die BBC, die bisher ihre Lautsprecher ausschließlich selbst entwickelt hat, ihre Referenzmonitore seit dem vergangenen Jahr bei Dynaudio. "Das war für uns ein Durchbruch, weil die BBC als anspruchsvollster Kunde im Profi-Bereich gilt", sagt Wilfried Ehrenholz, der deutsche Inhaber und Geschäftsführer von Dynaudio.
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