Toulouse - Vor 37 Jahren startete Boeings Jumbo-Jet, die 747, zum Jungfernflug - und blieb für Dekaden das größte Passagierflugzeug der Welt. Nun fliegt der neue Rekordhalter: Airbus' A380. Zwölf Milliarden Euro Entwicklungskosten für den Doppeldecker, Platz für bis zu 853 Passagiere - der A380 von Airbus, neuer Obelix der Lüfte, bricht verschiedene Rekorde.
Am heutigen Dienstag wird das erste flugtaugliche Modell offiziell in Toulouse vorgestellt. Zwei Stunden wird das ZDF live berichten, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Frankreichs Präsident Jacques Chirac, Großbritanniens Premierminister Tony Blair und sein spanischer Kollege José Luis Zapatero werden vor Ort sein.
Der Vier-Länder-Bund half dem A380 mit Krediten über 3,2 Milliarden Euro "Starthilfe". Als Vertreter des zweitgrößten Produktionsstandorts des A380 ist Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust in Frankreich vor Ort.
Der "A380 reveal" in der knapp 500 Meter langen Montagehalle in Toulouse-Blaignac bietet Airbus-Chef Noel Forgeard die Gelegenheit für einen strahlenden letzten Auftritt, bevor er Anfang Mai in die Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS (European Aeronautic Defence and Space Company)
wechselt. Mit dem weiß lackierten Prototypen stellt Airbus auch sein neues Logo vor.
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Weiß-blauer Obelix der Lüfte Bitte klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen. |
Im März soll der Prototyp zu seinem Jungfernflug starten. Dann wird auch die Montage des ersten Serienflugzeugs beginnen. Otto Normalbürger kann den A380 erstmals bei der Flugzeugmesse vom 13. bis 19. Juni in Le Bourget bei Paris begutachten. 2006 wird Singapore Airlines den ersten A380 in Dienst nehmen; ein Jahr später folgen Air France und die Lufthansa
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Noch vor seinem Jungfernflug hat Airbus vom A380 bereits 159 Stück verkauft. Das ist mehr als von jedem anderen Flugzeug vor seinem Erstflug. Die für 281 Millionen Euro angebotene Standardversion verfügt über zwei durchgehende Passagierdecks mit 555 Plätzen und ein Gepäckdeck. Die Maschine hat eine Spannweite von 80 Metern und ist an der Heckflosse 24 Meter hoch. Ihre Tanks fassen 310.000 Liter Treibstoff.
Der A380 darf auf allen Flugplätzen landen, die für Boeings 747 zugelassen sind. Dennoch haben seine Abmessungen und insbesondere die hohe Zahl der Passagiere Um- oder Neubauten auf vielen Weltflughäfen von Paris über San Francisco oder Dubai notwendig gemacht.
Mindestens 750 Flugzeuge vom Typ A380 will Airbus in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit absetzen. Mit dem Superflugzeug ist Airbus auf gutem Wege, seine junge Position als weltgrößter Bauer von Verkehrsflugzeugen vor Boeing
zu zementieren. Gleichzeitig dringt Airbus mit dem A380F in den Markt für Superfrachter vor.
Die Endmontage findet in Toulouse statt. Das Airbus-Werk in Hamburg liefert Rumpfteile und baut die Innenausstattung ein. Die Hansestadt ist damit zweitgrößter A380-Standort. Die Auslieferung der fertigen Flugzeuge teilen sich Toulouse und Hamburg. Das A380- Heckruder kommt aus Stade, die Flügel aus Wales, die Kanzel aus Saint-Nazaire und andere Teile aus Orten von Japan über Finnland bis zu den USA.
Airbus SAS hat rund 50.000 Mitarbeiter vor allem in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien. Das Unternehmen gehört zu 80 Prozent dem führenden europäischen Flugtechnikkonzern EADS, an dem DaimlerChrysler
zu gut 30 Prozent beteiligt ist, und zu 20 Prozent der britischen BAE Systems
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Zwei Gänge, bis zu zehn Passagiere nebeneinander
Während in der B747 "nur" 416 Passagiere Platz finden, kommt der neue Airbus mit der Bestuhlung für First-, Business- und Economy auf 555 Plätze - es geht aber auch enger: 297 Plätze mehr sind möglich. Im Oberdeck können acht Passagiere nebeneinander sitzen, auf dem Mitteldeck zehn, wobei die Sitzreihen jeweils durch zwei Gänge unterbrochen sind.
Im Unterbauch führt der A380 noch einen Keller mit: 1,97 Meter hoch, eigentlich für Fracht gedacht, doch Schlafplätze für die Crew können hier auch eingerichtet werden. So kommt das Flugzeug auf 24,10 Meter lichte Höhe und eine Spannweite von 79,80 Metern, vollbeladen wiegt das Modell 560 Tonnen und heimst mit allen drei Daten Weltrekorde ein.
An den Türen des neuen Flugzeugs sind kleine Tresen vorgesehen, die die Boarding-Situation entspannen sollen, Gänge und Treppen werden bis zu 1,32 Meter breit, so dass gegen übliche Quetsch- und Stolper-Situationen im Flieger vorgebeugt wurde.
Herberge für das erste fliegende Himmelbett
Auf der Suche nach dem richtigen Platz sollen Laserstrahlen helfen, die die Namen der Passagiere über die entsprechenden Sitze projizieren. Bildschirme, auf denen im Web gesurft werden oder Spielfilme geschaut werden können, sollen ebenfalls zum Standard gehören. Zum Schlafen lassen sich die Fenster dafür elektronisch abdunkeln - der beherzte Ruck an der Verdunkelungsklappe entfällt.
Viel Spielraum lässt die Konstruktion den verschiedenen Reiseanbietern, die bisher insgesamt 159 Modelle des fliegenden Obelix bestellt haben. Dabei sticht eine Idee der britischen Virgin Atlantic hervor: Sie wird in ihre Upper Class eine Bar (inklusive Hockern) einbauen, anschließend können sich Betuchte ins erste fliegende Doppelbett kuscheln, das per Handgriff aus zwei benachbarten Sesseln entsteht.
Das dürfte genutzt werden, denn trotz aller schönen Features wird bei manchem Passagier Langeweile aufkommen: Der A380, der 13 Prozent weniger Kerosin verbraucht als Boeings Jumbo, kann vollgetankt 14 Stunden in der Luft verbringen.
Die Airbus-Teile aus München
Im Werk Augsburg produziert Airbus große Teile des Fußbodengerüstes vom neuen A380. Wolfram Wolff, EADS-Pressesprecher: "Wer sich auf dem Hauptdeck bewegt, hat immer bayerischen Boden unter den Füßen." Außerdem werden in Augsburg mehrere Teile der riesigen Flügel hergestellt. Auch bei der EADS-Tochter Eurocopter in Donauwörth ist man in Sachen A380 gut im Geschäft. In Schwaben werden die Eingangstüren und die großen Frachttore für den A380 produziert. Daneben sind noch andere mittelständische und kleinere Unternehmen beteiligt. So sorgt die AOA Apparatebau aus Gauting bei München für gutes Klima und kalte Getränke. Rund 30 der insgesamt 250 Mitarbeiter produzieren ein neues Luftbefeuchtungssystem. Entwicklungsleiter Ulrich Wollenweber erklärt: "Damit sorgen wir dafür, dass die Schleimhäute der Passagiere nicht so schnell austrocknen - es erleichtert das Atmen in 10.000 Meter Höhe." Auch die elektronische Steuerung der Kühlschränke an Bord kommt aus Gauting. Entsprechend stolz ist man bei AOA: "Für jede Firma und für jeden Mitarbeiter ist es ein absolutes Highlight beim A380 mit dabei zu sein", betont Wollenweber. Damit könne man sich in der Branche einen Namen machen, sagte der Entwicklungschef.
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