Sony
hat sich lange geziert: Als einziger echter Mischkonzern unter den Unterhaltungselektronik-Riesen übte der einstige Platzhirsch in Sachen Entertainment-Innovation lang Zurückhaltung, als der Boom der MP3-Player begann. Bei allen Techniken, die dem "Rip, Mix, Burn!" (Werbung von Apple
) zuspielten, hatte Sony so seine Schwierigkeiten: Konnte, sollte, durfte sich die Firma quasi selbst schädigen, indem sie an Apparaten verdiente, die ihren Film- und Musiksparten mittelbar (und immer spürbarer) schadeten?
Lange hieß die Antwort nein, lange überließ Sony den Markt kleineren Konkurrenten. Die Schwemme der MP3-Player hat das nicht aufgehalten, und auch in diesem Jahr dürfte der Rubel in diesem Marktsegment noch kräftig rollen. Und jetzt will Sony mitverdienen.
Der japanische Elektronikriese versucht dabei einen eigenen Weg zu gehen. Wie der aussehen könnte, führt die zweite Generation der digitalen Sony-Walkmen vor, der Network Walkman NW-MS77DR.
Die Betonung liegt auf "Network", denn genau da setzt Sony an: Der Konzern hofft darauf, über eigene Musikvertriebsplattformen und darauf abgestimmte Soft- und Hardware eine, auch für Kunden attraktive, Verwertungskette von der Musik bis zum Player herstellen zu können. Deshalb auch setzt Sony bei seinen Playern nicht primär auf MP3 (auch, wenn sie das Format "können"), sondern auf den eigenen Kompressionsstandard ATRAC3plus.
Den bedient die mitgelieferte Software Sonicstage, die zum Musik-Mittler zwischen CD, PC, Netzwerk, analogen Quellen und Player wird: Der wird über die mitgelieferte Dockingstation mit Musik gefüttert - aus allen soeben genannten Quellen. Da genau liegt der Witz, genau das soll die Sony-Player attraktiv machen. Sie saugen Musik, wo immer die auch herkommt, teils unter Umgehung des PC: So lässt sich die Docking-Station auch mit analogen Quellen wie der Stereoanlage verbinden und so "Musik tanken". In Zeiten zunehmenden Kopierschutzes und beginnender Strafverfolgung für P2P-Nutzer könnte das viele reizen.
Optisch ist der NW-MS77DR ein Zwilling seines Vorläufermodells NW-MS70D, den er wohl vom Markt fegen wird. Ab dem 10. März geht der 54 Gramm leichte Winzling in den USA in den Verkauf und bietet gegenüber seinem Vorgänger einige Vorteile. Neben der nun auch als Analog-zu-Digital-Schnittstelle fungierenden Dockingstation hat Sony auch das Hirn des kleinen aufgebohrt: Satte 256 Megabyte Memory bringt er mit, und wer glaubt, dass das noch nicht genug sei, füttert ihn zusätzlich mit einem Memorystick.
Der Europapreis ist noch nicht bekannt, aber ein "Sonderangebot" ist kaum zu erwarten: Die Sony-Player bewegen sich nicht im preiswerten Marktsegment. Sollte der Preis sich auf Niveau des bereits bekannten Japan- oder US-Preises bewegen, bleibt alles beim alten: Dann läge er bei rund 450 Euro, wo auch das Vorläufermodell noch vor kurzem lag. Das Auslaufmodell NW-MS70D bekommt man nun rund 60 Euro biller.
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