Dienstag, 23. Oktober 2018

Körpersprache Die Macht des Merkel-Dachs

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Körpersprache, vom Fotografen gebannt

Körpersprache wird unterschätzt - und kann doch großen Eindruck hinterlassen, findet der Trainer Michael Moesslang. Ein Gespräch über die Herausforderung von Präsentationen und Angela Merkels Köpersprache.

mm: Brust raus, Blick frei gerade aus, hieß es beim Militär. Ist da was dran?

Moesslang: Militärisch-steif ist sicher nicht das Optimum, lasch-coole Haltung ebenfalls nicht. Aufrecht stehen ja, aber nicht stramm wie ein Soldat. Die Haltung ist das erste, was wir bei einem Menschen wahrnehmen. Sie sagt uns, wie selbstsicher oder unsicher jemand ist, und damit, ob er vertrauenswürdig, überzeugt, überzeugend oder womöglich gefährlich oder eben unbedeutend und harmlos ist.

mm: Wie sehr sind sich Menschen der Bedeutung der Körpersprache bewusst?

Moesslang: Das ist ja die Krux an der Sache: Wir sprechen mit dem Körper meist völlig unbewusst und unbedarft. Er verrät dabei viel mehr über uns, als uns oft lieb ist.

Wir nehmen Körpersprache auch ebenso unbewusst wahr. Uns entgeht dabei nichts. Nur achten wir bewusst zu wenig darauf und ignorieren wichtige Signale, beispielsweise, wenn diese der verbalen Aussage widersprechen. Sprache und Worte sind sehr jung und erfordern unsere volle Konzentration. Daher achten wir mehr auf die Worte und Inhalte.

Deshalb ist es nicht nur spannend, sich mit Körpersprache aktiv zu beschäftigen, es verbessert jede Form der Kommunikation immens. Wir verstehen Menschen besser und entdecken versteckte Botschaften. Und wir selbst werden besser verstanden und überzeugen leichter.

mm: Was bedeuten eigentlich Angela Merkels aneinander gelegten Fingerspitzen?

Moesslang: Normalerweise ist dieses, wie ich es nenne, "Merkel'sche Dach" ein Zeichen von Konzentration, manche behaupten sogar von Souveränität und Dominanz, was ich nicht so sehe. An sich ist es sehr unangenehm für den Gesprächspartner. Schließlich sieht er sich ausgestreckten Fingern gegenüber, die ihn noch dazu - wie eine Art Schneepflug - beiseite räumen wollen.

Bei Frau Merkel ist es längst zum Markenzeichen geworden. Sie selbst begründet es übrigens damit, dass sie nicht wusste, wohin mit den Händen. Und mit einer Liebe zur Symmetrie.

mm: Was empfehlen Sie, wohin mit den Händen?

Moesslang: Ganz einfach: Machen Sie Gestik, lassen Sie die Hände sprechen.

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