Dienstag, 24. Oktober 2017

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Das Comeback der Taschenuhren Klassiker an der Kette

Taschenuhren: Klassiker an der Kette
Fotos
Breguet

Manche Trends kommen immer wieder. Klaus Ahrens erklärt, warum. Diesmal: die Taschenuhr.

Gefunden in
Splendid
Dezember 2016

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Zugegeben, sie hat schon mal bessere Zeiten gesehen, die gute alte Taschenuhr. Als der Alpha-Mann seinen Auftritt statt in Kapuzenpullovern und Turnschuhen noch im Dreiteiler zelebrierte, gehörte sie in jede Westentasche. Die Kette quer über den Bauch getragen, war sie vor den beiden Weltkriegen noch das Statussymbol des Patriarchen. Doch in den Schützengräben verschwand die Uhr ans Handgelenk; am Armband war sie einfach tauglicher.

Die gute Nachricht: Totzukriegen ist das filigrane Zierstück trotzdem nicht. Eine wachsende Zahl von Herstellern besinnt sich wieder auf die Taschenuhr, als Angebot für eine kleine, sehr wählerische Klientel von Kennern. In der Luxusuhrenwelt, wo es fast immer um mechanische Finessen und Extras geht, können die Manufakturen an ihr zeigen, was sie können. Entsprechend exklusiv sind auch Preise (hoch) und Stückzahlen (niedrig).

Ganz und gar einmalig ist die Reference 57.260, die ein ungenannter US-Sammler bei Vacheron Constantin zum 260. Jubiläum des Hauses bestellt hat: acht Jahre Entwicklungszeit, 57 Komplikationen und Funktionen, mehr als 2800 Teile. Das Unikat kostete rund fünf Millionen Dollar.

Wer damit leben kann, dass auch noch sieben andere Liebhaber mit der gleichen Taschenuhr herumlaufen, dem wird bei Montblanc geholfen: Vom Tourbillon Cylindrique aus der Collection Villeret gibt es acht Exemplare. Die Uhr hat zwei farbige Globen, die den Ablauf von Tag und Nacht anzeigen, und auf sechs Uhr prangt eine Windrose.

Video: So funktionieren Minutenrepetitionen

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Bild: Hublot

Begehrt sind auch die Classique Grande Complication mit großem Läutwerk und Tourbillon von Breguet sowie die La Montre de Poche Email Ivoire von Jaquet Droz. Beide sind dem Stil ihrer Namensgeber nachempfunden, der eine Uhrmacher von Marie Antoinette und Napoleon, der andere ein begnadeter Spielautomatenhersteller.

Es gibt inzwischen sogar alltagstaugliche Taschenuhren. Die Bridgeport Mechanical Skeleton von Tissot ist ein solches Modell. Im Edelstahlgehäuse arbeitet ein robustes Eta-Handaufzugswerk, die Skelettuhr ist ganz klassisch mit einem Sprungdeckel versehen. Der tickende Beweis, dass die Taschenuhr im 21. Jahrhundert angekommen ist.

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