Samstag, 23. Juli 2016

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Smartwatch von TAG Heuer mit Google und Intel "Eine echte Uhr, kein Computer"

TAG Heuer: Was die neue Smartwatch Connected alles kann
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Tag Heuer

" So ein Quatsch! Wir sind keine Herausforderung für Apple, weil wir eine komplett andere Branche sind," stellt Jean-Claude Biver klar. " Allerdings sind wir eine Alternative und vor allem die erste ehrliche Luxusuhrenmarke, die eine echte Connected Watch präsentiert, " meint der LVMH-Uhrenboss von TAG Heuer, Hublot und Zenith.

Biver stellte am Montagabend in New York die TAG Heuer Connected vor, eine Smartwatch mit mehr Uhrmachertradition, Luxus-Habitus und Know-how als bisherige Wearables. Dafür verbündete er sich mit Google und Intel. Intel-CEO Brian Krzanich, Google und Android Vice President David Singleton und Biver arbeiteten 14 Monate an dem Projekt, das nur 33 Gramm wiegt. Ihr Ziel: den leistungsfähigsten und komfortabelsten Computer fürs Handgelenk im Look einer klassischen Sportuhr.

So sieht es auch LVMH-Chairman und -CEO Bernard Arnault : "Das Design ist nur der Beharrlichkeit von Jean-Claude zu verdanken, der anfangs zu mir meinte - wir entwickeln eine echte Uhr und keinen Computer!" Ein maskuliner Hingucker ist sie allemal. Wegen ihrer Größe von 46 Millimetern und wegen des mattgrauen Titans Grad 2 mit einer Reinheit, dass es selbst bei Alphatieren ohne Blessuren davonkommt. Im Gegensatz zu Edelstahl oder gar Gold. Ihr Fliegengewicht liegt laut Biver im Trend : "Schwere Uhren sind heute out. Ultraleichte Modelle gelten als wertvoll."

Intel-Chef Krzanich vertraut der Wasserdichtigkeit und trägt die Uhr stets beim Duschen. " Sie wirkt nicht wie ein elektronisches Gerät, sondern wie etwas, das man tragen möchte." Den ultimativen Outfit-Test absolvierte Biver: " Ich trug die Uhr drei Wochen lang und niemand bemerkte , dass es eine Smartwatch ist. Weder meine Kinder, noch meine Frau, obwohl sich alle gut mit Uhren auskennen". Erst beim Betätigen des Touchscreens aus Saphirglas kam der große Aha-Effekt.

Swiss Valley trifft Silicon Valley

"Um die Funktionen nutzen zu können, lässt sich außerdem größtenteils auf ein Smartphone verzichten," erklärt David Singleton von Google. Möglich macht das der neue Atomprozessor Z34XX von Intel. Mit Hilfe von Android Wear greift die Uhr auf Anwendungen wie Kalender, Alarm, SMS und Geoinformationen zu . Hochgerüstet mit 4 GB Speicherplatz lässt sich via Bluetooth-Kopfhörer Musik hören.

Ebenso hält der Schrittzähler stets mit und für die Google Sprachsteuerung mittels Wi -Fi dient ein kleines Mikrofon. Und zwar unabhängig vom Smartphone - eine Emanzipation, die einen weiteren Vorteil bietet: Die Uhr zieht kaum Energie vom Handy und kooperiert sogar mit iPhones. Vorinstalliert sind Apps, wie Google-Fit, -Translate und -Maps sowie eine App für Golfer. Allerdings hält der Akku nur etwa einen Tag durch.

Auf den Verkaufsgaranten des Gütesiegels Swiss Made muss TAG Heuer dieses Mal verzichten. "Die Uhr wird zu 70 Prozent bei uns in der Schweiz produziert," beteuert Biver. Doch der elektronische Antrieb stammt aus den USA. Noch. "Ab März 2016 werden wir selber die Prozessoren in der Schweiz zusammensetzen."

Der Kompromiss nennt sich "Swiss Engineering". Die Connected Watch würde nicht Bivers Handschrift tragen, wenn sie nicht auch einen Marketing-Coup bieten würde: Nur eine Stunde nach der Präsentation sind mehrere Tausend Exemplare auf dem Markt - ein Novum für die Schweizer Uhrenindustrie. Die Uhr ist ab sofort online in mehr als hundert TAG-Heuer-Boutiquen und bei 150 Händlern weltweit erhältlich, hieß es bei der Präsentation.

Damit nicht genug. Nach zwei Jahren, mit Ablauf der Garantie, wird den Kunden der Kaufpreis der Smartwatch von 1500 Dollar ( 1350 Euro) beim Tausch gegen eine mechanische TAG Heuer Carrera angerechnet, die im gleichen Design wie die technisch kürzerlebige Smartwatch gehalten ist. Als "connected to eternity" bezeichnet Biver klassische Uhrenmechanik. Oder anders formuliert: Einmal angefixt, immer Uhren-Junkie.

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